03. Dezember 2019 – Die Sache mit der Wohnungssuche

Gar nicht lange nach unserem letzten Umzug – 4,5 Wochen, um genau zu sein – steht nun unser nächster Umzug an. Diesmal geht es für uns in unsere endgültige Wohnung, in Singapur – Condo genannt. Erneut werden die Sachen gepackt, erneut werden die Koffer bereitgestellt und der Kühlschrankinhalt geleert.

Die Suche nach der richtigen Wohnung war nicht leicht, ist das System hier doch so anders als wir es aus Deutschland kennen. Hinzu kommt der umkämpfte Wohnungsmarkt, da aufgrund der politischen Situation viele Menschen möglichst kurzfristig Hongkong verlassen möchten und zum Großteil auch Singapur ansteuern. So sind – trotz des regen Wechsels der zahlreich ankommenden und abreisenden Expats – nicht unendlich viele Wohnungen auf dem Markt, und wenn, dann sind sie auch schnell wieder weg.

Ist in Deutschland das Bewerbungsverfahren auf eine Wohnung recht einfach und gut nachvollziehbar welche Eckpunkte der Vermieter an einem potentiellen Neumieter schätzt, so ist das in Singapur etwas anders.  So hat hier der Eigentümer – auch Landlord genannt – einen bis zwei eigene Agenten, die die Wohnung inserieren. Dazu gesellen sich nochmal 3 freie Agenturen, die auch Ihrerseits die gleiche Wohnung anbieten. Oft mit unterschiedlichen Bildern, und stark abweichenden Angaben zu Zimmeranzahl, Stockwerk und Preis… Ob es sich um ein so genanntes „Fishing“ Angebot oder ein Richtiges handelt, ist für Laien nur schwer zu erkennen.

Einen eigenen Agenten zu haben ist also eine Art Pflicht. Im Gegensatz zu Deutschland arbeiten diese hier aber auch richtig für ihr Geld (Sorry an alle deutschen Makler). Sie suchen passende Wohnungen & Häuser raus, vereinbaren Termine und bündeln diese an einem Tag, sodass man alles schnell abarbeiten kann. Sie sammeln einen zu Hause ein, erzählen ihrem Kunden unterwegs etwas zu den Wohngegenden, beraten und im Falle unserer Agentin – unterhalten einen sogar mit guter Musik. Die komplette Abwicklung wird übernommen. Sofern sie reibungslos läuft: alles gut.

Hat man an einem der von dem Agenten vereinbarten „Viewingtage“  eine in Preis (Achtung: astronomische Mieten), Lage, Größe und Zustand passende Wohnung gefunden, so gibt man ein Angebot ab.

Da der Wohnungsmarkt -wie beschrieben- umkämpft ist und meist mehrere Agenten seitens des Eigentümers involviert sind, kann es immer sein, dass die Wohnung schon bei der Besichtigung anderweitig vermietet war und der Agent dies einfach nur noch nicht wusste.

Nach einigem hin- und her mit 4 (!) anderen wunderschönen Wohnungen hatten wir nun aber endlich Glück und können nach zweiwöchigem Hoffen und Bangen unseren unterzeichneten Mietvertrag in den (digitalen) Händen halten. Wir sind mit der Entscheidung und Wohnung sehr zufrieden. Zwar haben wir ein Zimmer weniger, können uns dafür aber über eine top Lage und einen Privatpool freuen. Bei den das ganze Jahr über andauernden Temperaturen zwischen 30 und 39 Grad ganz angenehm.

Wir sind ganz dankbar für die willkommene Ablenkung, als wir erfahren, dass die nächsten zwei Tage U2 ihr absolut erstes Konzert in Singapur geben. Und das, obwohl eines der Bandmitglieder hier einige Jahre aufgewachsen ist. Ohne Frage buchen wir uns direkt Tickets und schmunzeln im Konzert über den Mann vor uns, der ein T-Shirt genau des U2-Konzerts trägt, auf dem auch wir vor 10 Jahren waren.

Und auch die Weihnachtsfeier der NMSG (New Mothers Support Group) kommt ganz willkommen. Nach 3,5 Monaten Umzugsplanung und einem Monat Wohnungsuche ist es ganz schön einfach mal abzuschalten und die Weihnachtszeit genießen zu können. Also tingeln wir am Morgen in die schöne Tanglin Mall, in der meine Lieblingsorganisation die diesjährige Weihachtsfeier veranstaltet. Neben basteln, Snacks und Musik, wartet auch der Weihnachtsmann ganz geduldig auf jede Familie, die gerne ein Erinnerungsfoto mitnehmen möchte.

Nachdem ich die Kinder Tage später mit der Maid zum Spielplatz geschickt und mir einen minderleckeren Kaffee (aber man gewöhnt sich ja an alles) aus der Lobby organisiert hatte um mich in Ruhe & gestärkt dem Packen widmen zu können, war ich doch über die Anzahl der Koffer überrascht. Wir haben ernsthaft 8 Koffer, die bei Anreise voll waren und es gleich auch sicher wieder sein werden.

Später am Tag warte ich -erleichtert von meinem Packerfolg- auf meinen Bus, der mich zur Übergabe in die neue Wohnung bringt. Dort treffe ich auf Martin und die Agenten. Die lange & aufwendige Übergabeprozedur beginnt.

Anders als in Deutschland wird nämlich jeder noch so kleine Kratzer oder Mangel genauestens fotografisch und schriftlich dokumentiert, sodass so ein Übergabeprotokoll schnell 80 und mehr Seiten umfasst.

Nach wildem Wortgemenge auf Englisch, Deutsch & Mandarin, einigem rumgerobbe auf dem Boden, unzähligen Fotos und 3,5 Stunden treten wir endlich unseren Heimweg zum Übergangsappartment an. Entsprechend müde fallen wir ins Bett.

So genau habe ich noch keine meiner Wohnungen gekannt…


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