22. Dezember 2019 – Besuchszeit

Zwei Tage vor Weihnachten ist es nun endlich soweit, und Martin sammelt unseren Besuch zu später Stunde am Flughafen ein. Und trotz des langen Fluges und der fortgeschrittenen Uhrzeit verbringen wir noch einige -definitiv zu viele- gemütliche Stunden an unserem Pool und genießen das Wiedersehen bei eisgekühlten Getränken. Selbstverständlich zu Weihnachtsmusik!

Unser erstes Weihnachtsfest in Singapur und insbesondere Emils erstes Weihnachtsfest überhaupt mit den Großeltern zu feiern ist ein Traum, hatte ich doch Bedenken, dass sich die Weihnachtstage fernab von allen Freunden und der Familie komisch anfühlen würden.

Die ersten Tage freuen wir uns also über die gemeinsame Zeit und holen die verpasste Oma & Opa-Zeit am Pool und beim Volleyballspielen nach. Felix freut sich über Schwimmstunden von meinem Vater, der glücklicherweise als Tauchlehrer der perfekte Ansprechpartner dafür ist. Er tobt mit seinen Großeltern, die sich gar nicht wie welche benehmen, mit dem Ball über die große Wiese unseres Condos.

Zum Weihnachtsessen sitzen wir dann unterm Sternenhimmel auf unserer schönen Terrasse und freuen uns über Felix, der mit voller Überzeugung in jedem Raum und auf jeder unserer Terrassen nach dem Weihnachtsmann sucht, der doch gerade geklingelt hatte. Selbstverständlich gibt es heißen Glühwein -den außer mir irgendwie niemand trinken mag- und „White Christmas“, während Felix sich motiviert an das Verteilen der (zu) vielen Geschenke macht.

Wir sitzen gemütlich auf dem Boden und genießen das wohl entspannteste Fest aller Zeiten. Mit kleinen Augen knuddelt Felix glücklich sein riesiges Maileg Hippo und verstaut alle Pakete für Emil, der schon selig schläft, unter dem Esstisch. Während mein Vater und Martin noch bis nach 3 Uhr morgens ein Lebkuchenhaus aus Hunderten von Legoteilen zusammenschustern, fallen Heike und ich müde ins Bett.

Nachdem am Morgen auch Emil seine Weihnachtsgeschenke ausgepackt hat und glücklich auf seinem Gummi-Radieschen herumkaut, planen wir die nächsten Tage. Ein Sightseeing-Menü vorzubereiten war gar nicht so einfach, da wir selber erst seit 2 Monaten in Singapur sind und zusätzlich zu den klassischen Touristenzielen bisher nur einige wenige Geheimtipps zusammengesammelt haben. Da Heike aber gut vorbereitet ist, müssen wir ihre Wünsche und unsere Vorschläge nur noch zusammenwerfen und können jeden Tag spontan entscheiden, wonach uns gerade der Sinn steht.

Und da man ja immer erst im Urlaub merkt, ob das „gemeinsame Urlauben“ eine gute Idee war, waren wir glücklich, dass die gesamte Urlaubszeit einfach harmonisch und entspannt war. Als dann der letzte Urlaubstag anrückt, wissen wir, dass wir das definitiv wiederholen wollen und werden. Ob in Singapur oder einem anderen Ziel in der Nähe.

In diesen 11 Tagen hat sich uns Singapur von seiner weihnachtlichen Seite gezeigt. Inklusive romantischem Schneegestöber (aus Schaum und Ventilatoren) im Christmas Wonderland im Gardens by the Bay. Die vorherige Gardens Rhapsody Lightshow der Supertrees – diesmal mit passendem weihnachtlichen Thema – ist einfach wunderschön und erhöht die Vorfreude auf den anschließenden Spaziergang über den Markt. Die jeden Abend stattfindende, kostenfreie Show wechselt regelmäßig das Thema und ist ein absolutes Highlight – ob mit oder ohne Weihnachtsbier. Den Abschluss bildete die wundervolle #FutureTogether Ausstellung auf dem Dragofly Lake. Riesige, singende Eier, die bunt beleuchtet auf dem Wasser schwimmen…geht das? Ja, das geht und ist wunderschön. Das Ganze wurde zur Zweihundertjahresfeier Singapurs entworfen und läuft noch bis zum 22.03.2020.

An einem anderen Tag spazieren wir durch die bunte und lebhafte Haji Lane sowie die Arab Street im Stadtteil Kampong Glam. In den kleinen Shophouses reihen sich ausgefallene Cafés, hochwertige Boutiquen lokaler Designer und die typischen Touristengeschäfte mit ihrer günstigen Massenware aneinander. Ein ums andere Mal übersehen wir die Zugänge zu den zum Teil versteckten Shops im Obergeschoss. Neben einem Kitty-Café, in dem man echte Katzen kraulen darf, kann man sich im „Selfi Coffee“ seinen Café Latte mit seinem eigenen Konterfei auf dem Schaum bestellen. Why not… Und ich werde zumindest Letzteres sicher in der Zukunft noch testen.

Und als uns unser Spaziergang im Anschluss durch die Arab Street bis hin zur imposanten Sultan Mosque, der Masjid Sultan führt, fühlen wir uns dem Orient kurz sehr nah.

Da das Essen hier aufgrund der Touristen als Zielgruppe nicht wirklich gut ist, oder wir zumindest bisher noch kein Glück bei der Restaurantwahl hatten, zeigen wir meinen Eltern neben unserem Newton Hawker (vor einigen Tagen) nun auch den kleinen und sehr zentralen Makansutra Gluttons Bay Foodcourt, der direkt an der Marina Bay liegt. Dieser Hawker ist im Gegensatz zu dem anderen in Privatbesitz, sodass der Inhaber die Stände nach seinem Geschmack und der Qualität der Gerichte auswählt. Und Dank der erstklassigen Lage spazieren wir nach dem Essen im Sonnenuntergang die Marina Bay entlang bis zum Wahrzeichen Singapurs, dem Merlion. Unterwegs holen wir uns an einem der Stände die für uns beste Waffel Singapurs.

Natürlich müssen unsere Gäste auf ihren Hawkerbesuchen auch das Nationalgericht Chilicrab probieren. Auf die dazugehörigen Mantou, gedünstete Brötchen, mussten wir aus „aktuter Überfressung“ leider verzichten. Neben Laksa und Chickenreis, den anderen beiden Leibspeisen der Singapurer, ist die Krabbe ein absolutes Muss.

Mit unserem Besuch steht auch unser erster Trip auf eine der vorgelagerten Inseln an, die indonesische Pulau (Insel) Bintan. Bis auf die Fähre gelangen wir gewohnt komplikationslos und schnell, stellen dann aber fest, das Singapur einfach außergewöhnlich organisiert ist, Indosenien bei der Ankunft aber einfach nicht mithalten kann. Die Passkontrolle dauert unfassbar lange, sodass wir am Ende alles in allem 4 Stunden für die Anreise brauchen. Für die zahlreichen Golfer, die nur für einen Tag des Goldpielens wegen nach Bintan kommen, gibt es bei der Immigration eine „Fast Lane“. Wären wir doch nur Golfer…

Die Fährfahrt selbst ist ein Traum, und auch die Insel sieht wunderschön aus, ist sie doch berechtigterweise aufgrund der Lage eines der Hauptwochenendziele für die Singapurer. Leider aber ist unser Resort ein Reinfall… Das versprochene Zelt unseres „Glamping“ Trips, dem Natra Bintan, ist zwar wundervoll, das Restaurant schön und die Sonne scheint. Die angepriesene „Strandlage“ erweist sich aber leider als ein betoniertes und weiß angestrichenes Becken, bespickt mit Wasserskiarena und einem Zoo aus aufblasbaren Tieren… Das Meer kann man in 2,5 Kilometern Entfernung nur erahnen und Infrastruktur gibt es keine, sodass man den ganzen Tag vom voll animierten Programm umgeben ist. Absolut nicht unser Fall.

Gemeinsam entscheiden wir also diesen Tag zu genießen, aber schon morgen früh die erste Fähre zurück nach Singapur zu nehmen. Die wertvolle kurze Zeit verbringen wir doch lieber dort. Strand? Das kann Singapur in diesem Falle leider besser! Der Abend verläuft trotz Allem bei gutem Essen und Cocktails wunderschön, und wird allein dadurch eine bleibende Erinnerung, als Felix freiwillig darum bittet, doch „bitte und endlich auf Opas Arm schlafen zu dürfen“.

Zurück in Singapur spazieren wir durch den botanischen Garten, und auch ich sehe zum ersten Mal den National Orchid Garden. Als so genannte „Residents“ von Singapur bekommen wir bei einigen Attraktionen Rabatte auf die Eintrittspreise. In den Orchideengarten dürfen wir sogar komplett kostenfrei. Anderenfalls fällt das verhältnismäßig geringe Eintrittsgeld von 5 S$ an. Auch nicht die Welt. Neben den wunderschönen Orchideen, die zum Teil extra für bekannte Persönlichkeiten gezüchtet und nach Ihnen benannt worden sind, ist auch der Rest des Gartens liebevoll angelegt, und ein Besuch lohnt sich sehr.

An einem der vielen lauwarmen Singapurer Abende gehen wir in die 1-Altitude Bar, der höchst-gelegenen Rooftopbar Singapurs. Zwar kann sie unserer Lieblingsbar in Bangkok, der Sirroco Bar auf dem Lebua State Tower nicht das Wasser reichen, ist aber auch schön und der Blick einfach fantastisch. Die Tickets haben wir vorab online gekauft. Diese behalten dann pauschal für den entsprechenden Kalendermonat ihre Gültigkeit und beinhalten pro Person zwei Drinks. Da die Bar bei Gewitterwolken gerne mal spontan geschlossen ist und an anderen Tagen die lange Schlange umgangen werden kann, sind die Onlinetickets keine schlechte Idee. Wählen kann man zwischen zwei Timeslots – zum Sunset oder dem Barbesuch im Dunklen ab 21 Uhr.

Wir suchen also bei guten Drinks und einer sternenklaren Nacht die Skyline nach den bisher besuchten Sehenswürdigkeiten, der Grenze zu Malaysia und unserem Condo ab und versacken dort, bis uns allen fast die Augen zufallen. Von einem nächtlichen Sprung in unseren Pool hält uns aber auch die Müdigkeit nicht ab. Die einen mit Badesachen, die anderen direkt in ihren Klamotten….

Heute holen wir unseren langersehnten Strandbesuch nach. Die fünf Quadratkilometer große, vorgelagerte „Insel“, Sentosa Island, hat der Staat als Naherholungsgebiet für die Einwohner Singapurs und natürlich zur Förderung des Tourismus umgewandelt. Bereits 1880 wurde die damalige Insel Pulau Belakang Mati befestigt und zur Landgewinnung stetig weiter aufgeschüttet, bis sie dann 1972 in „Sentosa“ umgetauft und im Laufe der Zeit verschiedene Vergnügungsparks & Attraktionen auf ihr errichtet wurden. Vieles dieser Insel ist uns zu künstlich, vieles zu bunt. Doch der Tanjong Beach, als ruhigster und natürlichster Strand der Insel, gibt uns immer die Portion an Urlaubsfeeling, die wir brauchen.

Am Vormittag werden die Sachen gepackt und das Taxi für die Fahrt zu unserem favorisierten „Place to be“, dem Tanjong Beach Club gerufen. Die Kids toben durchs Meer, der Opa schnorchelt durch die Bucht, Trüffelpommes werden bestellt, und die Männer laufen bei Ebbe zu einer kleinen Insel hinüber…

Nachdem die von Sonne und Meer erschöpften Kinder dann mit unserer Perle im Taxi sitzen und friedlich zu Hause im Bett liegen, genießen wir ein grandioses Abendessen und den einen oder anderen Cocktail, während die Sonne langsam am Horizont versinkt und die Nacht einläutet.

Wie der Merlion und das Marina Bay Sands -das wir aus dem Gardens by the Bay sehen konnten- gehört auch ein Trip durch Chinatown zu einem Besuch in Singapur. Insbesondere, da demnächst das Chinese New Year Fest zum Jahr der metallenen Ratte zelebriert wird und alles bereits passend geschmückt ist.

Doch als erstes steht ein Besuch des Buddha Tooth Relict Temple an, in dem -wie der Name schon sagt- der vermeintliche Zahn des Buddha ausgestellt wird. Der erst 2005 erbaute Tempel lässt das junge Alter nicht erahnen und mutet, bis auf den eingebauten Fahrstuhl, altehrwürdig an. Wir brauchen einige Zeit, bis wir alle 5 Etagen inklusive des Dachgartens samt gigantischer Gebetsmühle besichtigt haben, genießen die Tour aber sehr. Leider findet diesmal keine Zeremonie statt, wie bei meinem ersten Besuch vor einigen Wochen. Trotz dessen spüren wir den einzigartigen Flair und sind alle begeistert.

Ist Chinatown tagsüber schon sehenswert, besticht es nachts durch seine belebten Straßen und die kleinen, verteilten Rooftopbars. Und da wir vor einiger Zeit beim Schlendern durch die Club Street das Pech hatten, dass die Bar unserer Wahl aufgrund des Regens geschlossen war, nutzen wir heute die Chance und erklimmen zu viert die unzähligen Stufen des alten Shophouses zur gemütlichen Oxwell & Co Bar am Ann Siang Hill. Und auch wenn diese Bar einige Stockwerke niedriger liegt als die im Marina Bay Sands oder die 1-Altitude Bar, so ist der Ausblick nicht weniger spektakulär, inkl. Londoner Telefonzelle und Kräuterbeeten neben dem Bartresen.

Die ersten Urlaubstage sind wie im Fluge vergangen, und schon ist der 31. Dezember gekommen. Bevor unser Besuch zum großen, japanischen Feuerwerk an der Marina Bay aufbricht, schmeißen wir unseren Grill an und genießen unser erstes Silvester-BBQ überhaupt. Die Tigerprawns und Steaks schmecken mindestens genauso gut wie Raclette, und Felix genießt das in Singapur einzig zugelassene Feuerwerk -Wunderkerzen- bevor er dann um 21 Uhr wieder darum bittet, „doch endlich schlafen“ zu dürfen. Es ist schon anstrengend nur für den Besuch länger wach bleiben zu müssen.

Als meine Eltern dann mit der MRT, der hiesigen U-Bahn, aufgebrochen sind, lassen Martin und ich uns mit einer Flasche eisgekühlten Champagners in den Pool fallen und starten entspannt in das neue Jahrzehnt.

Die gewünschte Bootstour durch die Marina Bay, ein Abend am Boat Quay und ein Besuch auf unserem Lieblings-Wasserspielplatz später ist es nun leider so weit, und der Tag der Abreise ist gekommen. Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen und werden Euch vermissen!


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