Rückblick – unsere ersten 2 Monate in Singapur

Wie ist es, ans andere Ende der Welt zu ziehen?

Weitaus unglamouröser und unaufgeregter, als ich es mir vorgestellt habe! Will sagen: Der fast normale Alltag geht einfach weiter. Gut, Singapur macht es einem auch leicht: Die Stadt ist unglaublich modern – nahezu alles kann unkompliziert und schnell nebenbei per App erledigt werden. Handyverträge lassen sich binnen Sekunden abschließen, Lebensmittel werden auch Sonntags ins Haus geliefert, Bus- und Bahnanbindungen sind bestens, alles und jeder sind kinderfreundlich.

Amtsgänge lassen sich termingerecht und schnell erledigen, die ID Card (unser hiesiger Ausweisersatz) bekommt man anschließend sofort mit und auch die Fotos werden direkt von der zuständigen Mitarbeiterin geschossen, während die Kinder glücklich in der Spielecke toben, die sich neben jedem (!) Beratungsplatz im Amt, dem Ministry of Manpower (MOM), befinden. Nichts wird unnötig verkompliziert und niemand nimmt sich zu wichtig.

Die oft angedeutete Oberflächlichkeit ist mir bisher nicht begegnet. Frage ich nach dem Weg, wird mir dieser nicht nur genannt sondern parallel auch noch mal im Web auf Korrektheit gecheckt, um auch ja die richtige Info weiterzugeben. Ich wurde häufig unaufgefordert ein Stück des richtigen Wegs begleitet, der Kinderwagen für mich getragen, die Kinder im Bus bespaßt, und mir wurde das passende Busgeld zugesteckt, wenn ich es selber gerade nicht passend dabei hatte. (Achtung: Es gibt kein Wechselgeld in den Bussen!). Oberflächlichkeit? Nein!

Es gibt Gruppen zum Austausch für neue Expats, Gruppen für Mütter generell, Gruppen zum kaufen, verkaufen & tauschen.

Man kommt unfassbar schnell in Kontakt, und ich bin immer wieder überrascht, wie wenig sich das Leben doch von dem in Deutschland unterscheidet. Ja, es ist wärmer. Aber Dank unserer Ankunft in der Regenzeit, die nun in die „Windy Season“ übergegangen ist, können wir uns ganz in Ruhe akklimatisieren.

Dazu gibt es traumhafte Cafés, das mit Abstand beste und vielfältigste Essen, eine unüberschaubare Anzahl an Ausflugszielen und Spielmöglichkeiten, gefühlt 10 Einkaufszentren in jeder Straße, bunte Stadtteile – jeder mit seinem eigenen Charme- und last but not least: Einen Ersatz für unseren heißgeliebten Hamburger Elbstrand, der das ganze Jahr über ohne Daunenjacke genutzt werden kann. Das da unser neuer Place-to-be, der Tanjong Beach Club, die Strandperle vorerst ersetzt, ist sicher verständlich. Und der Milchkaffee? Der wird halt „iced“ getrunken.

Generell ist der Alltag hier trotz der bisher fehlenden Routine doch relativ unprätentiös und normal weiter gelaufen. Martin ging arbeiten, er war hier und da mal auf Geschäftsreise. Die Kinder hielten ihre gewohnten Schläfchen, Sportangebote und Spielplätze wurden besucht, neue Bekannte getroffen und die Stadt erkundet.

Und das eine Wort, mit dem ein lokaler Kontakt in meiner ersten Woche Singapur beschrieb, trifft es einfach perfekt: „peaceful“.

Man darf natürlich nicht alles verklärt positiv sehen. Aber für einen Umzug mit der Familie ans andere Ende der Welt ist Singapur einfach perfekt. Eine Stadt, die einen offen willkommen heißt. Eine Stadt, in der Menschen wirklich jeder Herkunft zusammenleben und absolut niemand, ob mit Bindi, Turban, ob weiß, schwarz, gelb oder verhüllt angestarrt wird, möchte ich meine Kinder aufwachsen sehen. Und wenn Felix nicht mal mit der Wimper zuckt, als er seine voll verschleierte Babysitterin das erste Mal sieht, erfüllt mich das mit Stolz!

Neben den sicher auch vielen Steinen in ihren Wegen ist dies einer der Vorteile, ein Third-Culture-Kind zu sein.

Trotz des schönen Starts freue ich mich nun auf ein wenig Routine, auf einige Fixpunkte in der Woche, auf den Start der Kita und Vertiefung der neuen Freundschaften. Ich freue mich, die Stadt weiter kennen zu lernen- Ich freue mich, in die Stadtteile einzutauchen und Singapur von einer Seite zu sehen zu bekommen, die für Touristen in der kurzen Urlaubszeit nicht zu erfassen ist. Ich freue mich auf unsere eigenen Möbel, unser neues Zuhause und das Gefühl nach Hause zu kommen, das – wie wir von unseren bisherigen Umzügen wissen – sicher noch ein wenig auf sich warten lässt.

Aber auch da sind wir stolz, die eine große Schwierigkeit des Einstiegs gemeistert zu haben: Die Wahl des „richtigen“ Stadtteils. Wir mussten uns in kürzester Zeit von einer uns komplett fremden Stadt ein Bild der Stadtteile und des Verkehrsnetzes machen. Wir hatten zu entscheiden, welcher Lebensstil in Singapur der für uns richtige ist und wo wir diesen leben können. Aus unserem verhältnismäßig „kleinen“ Hamburg wissen wir, wie lange es dauert, bis man jeden der Stadtteile mit seinem eigenen Kiez, seinen Besonderheiten und dem Liebenswerten wirklich so gut kennt um entscheiden zu können, ob man dort wohnen und leben möchte. Hier hatten wir nun 4 Wochen dafür, an deren Ende wir uns für 2 Jahre per Vertrag würden binden müssen.

Nach einigen Recherchen und sehr willkommenen Tipps der unterschiedlichsten Personen fiel unsere Endauswahl auf River Valley, Newton und Novena. Wir schränkten unsere Suche auf diese Stadtteile ein, da sie die für uns wichtigen Punkte vereinten:

  • zentral
  • top Anbindung
  • eigene Infrastruktur
  • etwas grün
  • lokal, aber nicht zu lokal, Expat-Gegend, aber auch dies nicht zu sehr – ein bunt gemischter Haufen aus eben allem, was Singapur zu bieten hat.

So schön es in den Woodlands oder an der East Coast auch sein mag, für uns spielt Zentralität insbesondere für die erste Zeit die wichtigste Rolle. Wir wollen zur Tür raus fallen und IN Singapur sein. Eine schöne direkte Umgebung ist wichtig, um „mal eben“ ausgehen zu können, trotz dessen möchte ich nicht nur in meinem Stadtteil leben und die Möglichkeit haben, schnell überall sein zu können. Ich möchte nie einen Ausflug scheuen, nur weil ich dafür erst 45 Minuten und länger fahren muss.

Die schöne East Coast käme in Frage, wenn der Strand als solcher nutzbar wäre. Aber da wir mehrfach hörten und mittlerweile bestätigen können, dass man die Strandlage dort als solche leider nicht nutzen kann (schmutzig, massenweise bissige Sandfliegen), konnten uns auch die netten Cafés und Ausgehmöglichkeiten nicht dazu umstimmen. Die Fahrt von der East Coast in die „Stadt“ ist zudem leider schon ein kleiner „Ritt“.

Die äußeren Stadtbezirke, Woodlands, „Upper Bukit Timah“ etc. waren aufgrund der Entfernung raus. Ebenso die Harbourfront, die einer großen Stadt in der Stadt gleicht und eher mit einer riesigen Hotelkette als mit Singapur zu tun hat. Es gibt innerhalb der dortigen Condos alles: Restaurants, Kurse, Pool und Strand. Du musst also nie raus. Und viele -nicht alle – die dort leben, bleiben auch die meiste Zeit unter sich. In „ihrer Stadt“.

Schlussendlich sind wir im schönen Newton gelandet und haben das Glück eine Wohnung gefunden zu haben, die mit ihren insgesamt 3 Zimmern zwar kleiner ist, als erwartet, dafür aber mit 3 riesigen Terrassen und einem Privatpool alles wieder ausgleicht. Unser Wohn-/ Esszimmer nutzen wir tatsächlich gar nicht, da diese Rolle unsere Terrasse übernimmt. Für die Abende bietet die Loungeecke am Pool alles und gegessen wird – Dank Regenschutz durch die oberen Balkone – bei jedem Wetter auf unserer Terrasse.

Die Anlage ist sehr grün und großzügig geschnitten. Wo die meisten Condos schmal und hoch sind und wenig Außenfläche haben, besticht unseres durch eine riesige Rasenfläche, auf der sich die Kinder jeden Nachmittag nach der Schule zum Fußball- und Fangenspielen treffen. Am Sonntag finden sich alle Familien am großen 50m-Pool. Und trotz der Lage ist es unfassbar ruhig. Wir hören nachts die Frösche und Zikaden und am Morgen die tropischen Vögel. Mitten in Singapur leben und das ganz ohne Straßenlärm? Ein Privileg.

Wie die meisten anderen Condos auch haben wir ein Fitnessstudio, zwei Tenniscourts, den großen Pool und einen 20cm flachen Kidspool. Warum hier auch ein (sehr) heißer Whirlpool, eine Sauna und ein Dampfbad zu finden sind, ist mir nach wie vor ein Rätsel.

Wir blicken also zurück auf eine wundervolle erste Zeit mit vielen Erlebnissen und neuen Eindrücken. Und noch verändert sich unser Blick auf die Stadt und unser Gefühl ihr gegenüber täglich. Mal zeigt sie sich weltgewandt, mal bodenständig, mal bunt, mal schillernd… Doch egal wie: immer bleibt sie schön, aufregend und unser neues Zuhause, in dem wir jeden Tag aufs Neue sehr gerne leben.


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