Januar – Goldkehlchen

Endlich ist es so weit. Vor Monaten habe ich mich für die neue Saison des IFC – des International Festival Chorus in Singapur eingeschrieben, war jedoch lange Zeit unsicher, ob die Musikrichtung dieses Chores das Richtige für mich sein würde.

Sang ich bisher im Hambuger Pop- und Gospelchor alles von Leonard Cohan bis hin zu Cold Play, so wird das hier eine ganz andere Nummer. Bei der Musikauswahl handelt es sich um -zumeist- klassische Kompositionen aus aller Welt. Das Niveau wird aufgrund der Stücke, als auch der zu singenden Sprachen um Einiges fordernder sein. Ich sage zur: Französisch, Mandarin, Englisch, Tagalog, Finnisch…

Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Also heißt es nun ab ins hiesige Uber, dem Grab, und ab zum etwas abgelegenen United World College of South East Asia, in dem die wöchentlichen Proben stattfinden werden… Dies wenigstens hat der neue Chor mit meinem alten gemein: Die Proben finden genau wie in Hamburg wöchentlich Dienstag abends statt. Und wie im Winter in Hamburg, brauche ich hier Pullover & Schal um nicht zu erfrieren.

So sitze ich also im Wagen und bin dankbar direkt beim Wachpersonal die liebe Jacin Lee zu treffen die, wie ich, neu ist. Gemeinsam erfragen wir uns den Weg und sind bei der Anzahl der Chormitglieder ganz froh nun wenigstens ein Gesicht zu kennen.

Tatsächlich sind die Auswahl der Musikstücke und der Witz des neuen Directors Marcus Li dann so überzeugend, dass die ebenfalls zweifelnde Jacin und ich dem Chor noch an diesem Abend beitreten. Definitiv werde ich hier gefordert und definitiv werde ich das ein oder andere Mal stimmlich an meine Grenze gehen müssen. Aber dazu bin ich gerne bereit. Ein oder mehrere Hobbies zu haben und Teil eines Teams zu sein um gemeinsam etwas zu erreichen ist einfach etwas Besonderes.

Schon am nächsten Abend steht wieder eine lange Nacht an, treffe ich doch die liebe Nadine für die Damenwahl im Paulaner Brauhaus. Direkt nach unserer Ankunft decken wir uns mit Weißbier ein um dann weniger gebannt dem Vortrag einer Dame zu folgen, die beruflich als Coach fugiert, jedoch derart verunsichert ist dass ich mir nicht vorstellen kann, wie sie jemand Anderen in ebendiesem Bereich weiterbringen soll.

Den weiteren Vortrag einer Juristin zum Arbeitsrecht für Frauen in Expatehen lauschen wir dann mit Interesse um uns dann den leicht angeheiterten Abend über kaum von unserem Tisch zu lösen, an dem nun auch Christiane Platz genommen hat und mit uns Brez´n und Weißwürstl genießt.

Etwas verkatert bin ich am nächsten Morgen froh, dass unsere Helperin bald aus ihrem Heimaturlaub wiederkommt und plane schon einige Runden des ausgiebigens Ausschlafens. Da ich darauf aber leider-leider noch einige Tage warten muss, verbringe ich diesen Vormittag mit ausgiebigem Spieleinheiten mit den Jungs bis dann am Nachmittag unsere Babysitterin Sue klingelt. Nach einer kurzen Übergabe starten Felix und ich zu Fuß zur Bahn. Das neue Gefühl ohne Buggy unterwegs zu sein, fühlt sich befreiend aber auch etwas „nackt“ an. Wie ohne Tasche loszugehen…

Mit dem Kind an der Hand fahre ich nun die wenigen Stationen in die Innenstadt und ich ärgere mich über meine Schuhwahl. Geschlossene Schuhe…Warum nur… Nach 2,5 Monaten ausschließlich in Flip Flops sind meine Füße die Sneaker definitiv nicht mehr gewohnt und strafen mich mit Blasen… nach nur 300 Metern Strecke. Aber egal… Irgendwer wird mir schon ein Pflaster geben. Immerhin sind wir hier im hilfsbereiten Singapur.

Ausgestattet aus dem erste Hilfekasten der lieben Marina Bay Mitarbeiter halten wir Ausschau nach meiner neuen Freundin Gracie Chai und ihren Kindern Eden & Ocean um gemeinsam dem Art Science Museum einen Besuch abzustatten. Als Eden und Felix sich sehen, rennen sich die Jungs in die Arme und lassen ihre kleinen Händchen bis ins Museum hinein nicht mehr los. Bei den beiden ist es seit dem ersten Treffen im botanischen Garten eine einzige Liebe und egal wie lang die Pausen zwischendurch sind, so sind sie direkt wieder unzertrennlich.

Nachdem uns der nette Kassierer angeboten hat erstmal in die Ausstellung unserer Wahl reinzusehen bevor wir bezahlen (O Ton: „Ist nicht so der Renner“), entscheiden wir uns tatsächlich um und besuchen die Installationswelt „Future World“. Museum mit Kindern? In Singapur kein langweiliges Pflichtprogramm, da sich fast jedes Museum mit interessanten Mitmachaktionen auf Kinder ausrichtet. Und insbesondere diese Ausstellung ist mit Kindern sogar noch lohnenswerter als ohne.

Raumfüllende Lichtinstallationen, die sich durch die Bewegungen der Besucher verändern, Rutschen von denen Blüten „wegwehen“, sobald ein Kind hinunter gleitet und die Möglichkeit Fischbilder auszumalen, die dann binnen Sekunden eingescannt und an den fast 10m hohen Wänden der Räume in einer Unterwasserwelt zu schwimmen beginnen ziehen uns in ihren Bann.

Wie an so vielen Orten Singapurs gibt es auch hier einen Rabatt für Residents und neben diesem sogar eine kostenlose Mitgliedschaft mit der Anwohner Singapurs mit weiteren sehr lohnenswerten Rabattaktionen am Ball gehalten werden. Wenn man nicht auf eine materielle Mitgliedskarte besteht, kann man sich direkt an der Kasse als Mitglied registrieren lassen und bekommt die Mitgliedsnummer noch im selben Moment ganz entspannt aufs Handy.

Als wir uns zum Ende der Woche aufhübschen und zu unserer ersten Partyeinladung in Singapur starten, sehen wir das ganze mit einem lachendem und einem weinenden Auge. Handelt es sich doch um die Farewell Party -das offizielle Goodbye- von Nadine und ihren beiden Männern. Wir gehen zu Fuß den unweiten Weg zu ihrem Condo und freuen uns, dass uns unsere Nachbarschaft immer bekannter vorkommt.

Die Party steigt in der wunderschönen Pool- und BBQ Area des Lincoln Suites Condominums im 9 Stock. Da die Wohnung der Zurückwanderer sich merklich geleert hat, bringt jeder Gast Geschirr, Essen und Drinks mit und wird wärmstens angehalten im Anschluss des Abends einiges an Inhalt aus den Küchenschränken einzupacken. Wie wir es schon von unserem Auszug aus Deutschland kennen, kann der angebrochene Pfeffer, Zucker etc. ja schlecht in den Container und braucht einen neuen Besitzer.

Da wir Dank unserer zurückgekehrten Helperin kinderfrei gekommen sind, freuen wir uns über entspannte und ausgiebige Unterhaltungen, gutes Essen und den schönen Ausblick. Wie bei jeder guten Party versammelt sich das Gro der Gäste im Küchenbereich unweit des Kühlschranks, während die Kinder bis spät in den Abend hinein im und am Pool lachen und giggeln. Als dann pünktlich um 22 Uhr das Wachpersonal läutet verlagern wir uns mit dem Rest der Partygemeinschaft hoch in die Wohnung in einer der höhergelegenen Stockwerke und sind erst einmal erschlagen von dem fantastischen Ausblick über die beleuchtete Stadt bei Nacht. Wieder einmal sind wir dankbar in dieser wundervollen Stadt leben zu dürfen.

Nach der vielen Feierei ruft der Sonntag förmlich nach einem aktiven auswärts Programm. So animiere ich meine Männer zu einem Trip an eine der abgelegendsten Ecken Singapurs, unweit der Grenze zu Malaysia. Nach einem ausgiebigen Frühstück an unserem Pool besteigen wir den Bus der uns erst einige Stationen durch die Stadt führt, bevor er dann seine wohl längste Station über den Freeway zurücklegt. Wie immer genießen wir die Busfahrt, da man auf diese Weise einfach unfassbar viel von der Stadt sieht. Und gerade die, die mich aus Hamburg kennen (Alek 😉 ), wundern sich das eine oder andere Mal über diese neue Leidenschaft, war ich in Hamburg doch eingefleischte Autofahrerin und wusste sprichwörtlich nicht, wie man das Wort „Bus“ schreibt.

Im Seletargebiet angekommen, führt uns ein Fußweg, der sich nur mit dem Wort HOT beschreiben lässt zum abgelegenen The Animal Resort. Wie wir eigentlich wissen, sollte man in Singapur, oder generell in Südostasien jeden Fußweg länger als 10 Minuten möglichst umgehen (außer man möchte Wandern natürlich)… Wir brauchen 30 Minuten…. 20 davon über ein großes Feld ohne jeglichen Schatten. Zum Glück wissen wir, dass man in Singapur den Regenschirm immer dabei haben sollte. Selbst bei strahlendstem Sonnenschein, kann er dann doch ebenso als Sonnenschirm dienen.

Angekommen beim Animal Resort finden wir uns plötzlich im gefühlt tiefsten Südostasien wieder. Vieles erinnert uns an unsere früheren Asienreisen und der Duft unserer Sonnencreme verstärkt das Urlaubsfeeling noch. Die Farm entpuppt sich als niedliche kleine Oase. Hühner und Gänse laufen frei herum, Schildkröten tummeln sich mit den Fischen im Bach und alles dreht sich hier etwas langsamer. Belustigt denken wir uns in das Leben der drei sonnengebräunten Senioren, oder auch Elderys ein, die hier scheinbar Tag für Tag, Jahr für Jahr einfach unter dem Wellblech der Hütte sitzen und über den Sinn des Lebens diskutieren.

Felix freut sich über die Kaninchen, das Pferd und die lustigen, größeren Vogelarten. Und während wir pausieren, füttert er die Fische und ist ganz seelig, als er das aussortierte Rutscheauto entdeckt. Zum Glück haben wir ausreichend Snacks eingepackt, da man neben kalten Getränken nur Tierfutter kaufen kann.

Auf dem Heimweg schlafen die Kinder im Bus direkt ein und wir sind uns sicher, dass wir wiederkommen und dann aber zumindest ein Taxi für den Rückweg gönnen werden. Die Strecke durch die pralle Sonne ist wirklich nicht ohne.

Schließlich kühlen wir unsere von der Sonne aufgeheizten Köpfe den Rest des Tages im Pool, bevor wir dann gemäß unserer Tradition den Sonntagabend kulinarisch am Newton Hawker ausklingen lassen.


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