Februar – Allein zu Haus – Teil II

Woche zwei der Strohwitwenschaft.

Martin ist in Taipeh gelandet und gefühlte 50x am Tag wird seine Temperatur gemessen. In jedem Meeting tragen alle Anwesenden Masken, und er muss sich täglich zwei Mal an der Rezeption seines Hotels melden, ebenfalls zum Temperaturcheck. Taiwan reagiert tatsächlich absolut vorbildlich in Sachen Covid-19 Prävention.

In Singapur starte ich diese neue Woche mit einem morgendlichen Blue House Besuch und ausgiebigem Spaziergang durch den Fort Canning Park mit meiner neuen Freundin Jana, ihrer Babytochter Clara und Emil. Den Nachmittag besuche ich unsere liebe Nachbarin Charlotte, damit Emil mit seinem neuen best Buddy und gefühltem Zwillingsbruder Edouard spielen kann. So ein Expatleben lässt sich aushalten.

Die nächsten Tage steht Felix´ wöchentlicher Musikkurs an, ich komme endlich zum exzessiven Sporttreiben, mein Klavierlehrer schaut sich das neue Piano an und ist mehr als begeistert (Diagnose: kaum bespielt, nur leichtes Stimmen notwendig) und ich finde endlich Zeit zum Schreiben einiger Zeilen für diesen Blog, was sich zusehends als aufwendiger entpuppt als gedacht.

Da Martins Abstecher nach Korea aufgrund der neuen Einreisebestimmungen durch COVID-19 kurzfristig gecancelt wurde, landet er schon am Mittwochmorgen wieder in Singapur.

So können wir also am Donnerstagabend die Vorzüge des Lebens mit Helperin genießen: Wir entscheiden heute -an einem banalen Wochentag- spontan auszugehen. Ohne großes Terminieren mit einer Babysitterin. Ohne aufwendige Planungen eines besonderen Abends. Einfach spontan und unkompliziert. Wunderbar!

Früher haben wir diesen einen Tag in der Woche, den wir uns eine Babysitterin geleistet haben, immer groß zelebriert. Er musste geplant und etwas außergewöhnliches werden. Heute haben wir täglich die Möglichkeit dazu und nutzen diese Freiheit manchmal ganz banal für einen Spaziergang zu zweit am Abend….für einen gemeinsamen Gym-Besuch oder einfach um mal kurz in den großen Pool zu springen, der definitiv außerhalb der Babyphonereichweite ist. Was für ein Gefühl!

Nach Partner Mani- und Pediküre in „unserer“ Tanglin Mall (ja, auch Mann will gepflegt sein) spazieren wir heute also in die Orchardroad um die La Taperia zu testen. Das Ambiente und Essen sind trotz Lage in einer Mall super. Und wir sind überrascht, dass wir auch den Heimweg zu Fuß bewältigen können. Singapur ist wie so oft kleiner als man denkt und unsere Wohnung wunderbar zentral gelegen. Seit die Stadt das Gefühl der „großen Unbekannten“ verloren hat gleicht sie eher dem kleinen, beschaulichen Hamburg, als einer Finanzmetropole.

Allerdings bemerken wir, dass langsam jedem Ausgehen ein unangenehmer Geschmack beiwohnt. Dieses ständige Gefühl des Abstandhaltens, die Unsicherheit wenn jemand sicht-oder hörbar krank ist, das Unterdrücken eines Niesens um anderen keine Angst zu machen. Die dauerhafte Präsenz des Covid-19, der wie ein Damoklesschwert über allem schwebt.

Das „Covid-Gefühl“ wird den Virus wohl noch lange überleben.

Und wieder beginnt ein neues Wochenende. Der heutige Freitag unterliegt ganz dem Motto „verkaufen, verkaufen verkaufen“!

Brauchen wir doch Platz für das Klavier, ein neues Sofa und überhaupt. Das neue Klavier hat tatsächlich einiges ins Rollen gebracht. So haben wir festgestellt, dass wir unser Wohn- und Esszimmer kaum nutzen…. Das Esszimmer nicht, da wir ein zweites „Esszimmer“ auf der Terrasse haben und tatsächlich ausschließlich draußen essen. Das kann also schonmal weg. Das Wohnzimmer ist erstens ungenutzt, da das neue Sofa unfassbar unbequem ist und zweitens wir nie fernsehen. Fernseher, der passende Schrank und das Sofa müssen also auch weichen. Was bleibt? Ein leerer Raum mit meinem geliebten kleinen Schreibtisch.

Klar, wir glaubten -wie bestimmt jeder in der Situation- in ein Wohnzimmer gehört ein Fernseher und in eine Wohnung ein Esstisch. Das sind manifestierte Eckpunkte einer jeden europäisch bewohnten Wohnung. Also ist erst einmal Umdenken gefragt. Was brauchen wir? Was wollen wir?

Fernsehen? Überbewertet. Und wenn es uns doch mal überkommt, können wir den Computer nutzen. Das Sofa? Muss klein sein, um Platz für den Esstisch zu ermöglichen? Schnee von gestern! Eine riesige Kuschelecke für die Familie für Regentage wäre schön. Und Platz für´s Piano? Unbedingt!

Es muss also alles über unsere neue Lieblings-App verkauft werden. So auch – man glaubt es kaum – das neu erworbene Piano. Es ist nämlich -wie bereits vermutet- zu laut, um es auch am Abend oder in der kindlichen Mittagschlafpause nutzen zu können. Ich recherchiere also etwas die Verkaufspreise und bin überrascht, dass dieses Piano in dem Zustand für 3.000 S$ gehandelt wird. Ich stelle es also für 1.000 S$ ein und informiere neben dem Angebot in der App auch die anderen Mieter im Condo über den Verkauf. Und schwupps, nach wenigen Minuten habe ich 4 Interessenten und das Piano ist innerhalb von einer Stunde erfolgreich zu meinem Wunschpreis verkauft. Das Geld investiere ich in ein E-Piano und gute Kopfhörer.

Nach dem ganzen Foto mach-, Artikel einstell-, Fragen- Marathon entfliehen wir dem erneuten Chaos in der Wohnung zu der Geburtstagsparty des lieben Jens. Wir genießen das Gefühl bekannte Gesichter wiederzusehen und feiern gut gelaunt bis spät in die Nacht. Auf dem Weg nach Hause wird mir klar, dass ich mich gerade über 6 Stunden lang ohne Probleme und ohne groß nachzudenken ausschließlich auf Englisch unterhalten habe. Ein absolutes Hochgefühl, stand ich doch bisher mit Sprachen auf dem Kriegsfuß. Ein rundum gelungener Start ins Wochenende.

Und nach der Party gestern ist am Samstag gefühlt mein Geburtstag, ziehen wir doch los, um mein hart verdientes Kleinanzeigen-Geld in ein neues E-piano zu investieren und nebenbei noch ein Sofa zu bestellen. Nach Recherchen zu passenden Instrumentenhändlern und wertvollen Tipps meines Pianolehrers, werden wir schnell fündig. Im Anschluss wird das online vorkonfigurierte Sofa im Blau-Gelben-Möbelriesen noch schnell probe-gesessen und direkt bestellt. Ein erfolgreicher Tag.

Und da das Neumeier-Ballett, dass wir heute Abend besuchen wollten leider Corona bedingt gecancelt wurde, feiern wir unsere Shoppingerfolge unter dem Sternenhimmel in unserem Pool.

Den Sonntag verbringen wir tatsächlich zum allerersten Mal komplett im großen Pool und lassen ihn dann mit dem gewohnten, sonntäglichen Hawkerbesuch ausklingen. Das Felix dann allerdings 16 (!!!!) Dumplings alleine verdrückt schockiert uns doch etwas.


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