Monatswechsel – Hallo März

Krokusknospen, Tulpen, Ostervorfreude,

die ersten warmen Sonnenstrahlen, zartes Grün?

Ähm, nein. Wir sind hier in Singapur.

Morgens um 4 landet Martin am singapurer Changi Airport und fällt zu Hause wie ein Stein ins Bett. Der heutige Mittwoch beginnt für mich also unverändert mit meiner wöchentlichen Piano Stunde. Das erste Mal auf meinem neuen E-Piano. Herrlich! Aus meiner gezahlten Stunde werden mal wieder drei und neben dem ganzen theoretischen und praktischen Unterricht richtet mein Lehrer Maurice noch mein Piano ein. Grand Piano Sound? – unbedingt!

Den Rest des Tages hat Martin frei und wir schlendern zum Mittag in ein „Restaurant“, das gefühlt aus „Plastikstühlen in einer Garage“ besteht. Dafür gibt es hier aber eines der Nationalgerichte, Chicken rice, für 2S$. Und natürlich schmeckt es herausragend gut. Insbesondere das lokale Essen ist an einfachen Essensständen einfach am besten. Es ist traditionell, authentisch, günstig und lecker. Diese kleinen „Food-Stalls“ sind tatsächlich auch die wenigen Orte, an denen man mit Englisch nicht sehr weit kommt, da die Inhaber oftmals nur Mandarin oder Malay verstehen.

Am Donnerstag fängt die Normalität wieder an. Felix und ich gehen zur Schwimmstunde und sehen am Nachmittag nach drei Monaten endlich Deepali mit ihrer Tochter Maja wieder, die wir vor Monaten in der New Mother Support Group kennengelernt haben. Es geht zu einer uns bekannten Location, dem Polliwogs in der Suntec City Mall.

Mit der Downtown Line fahren wir die wenigen Stationen bis zur Station Promenade, die sich über unfassbare sieben (!) unterirdische Stockwerke erstreckt:

  • Auf vier Etagen fahren die Züge unterschiedlicher Linien und Richtungen ab – übereinander!
  • Zwei Stockwerke sind nur für Mitarbeiter zugängig.
  • Im letzten, dem obersten, findet man den Ticketverkauf und einige Shops.

Für den Rückweg werden wir später das siebte Untergeschoss auf sagenhaften 43m unter der Erde besuchen, um unseren Zug nach Hause zu erwischen.

Felix und ich machen uns also einen Spaß und zählen die Fahrstühle, die wir vom Underground Level 6 hoch bis zu unserem Ziel im zweiten Stock der darüber liegenden Suntec City Mall benötigen.

Damit auch Emil nicht zu kurz kommt fahre ich am Freitagmorgen mit ihm zu einem Babykurs und nutze die Zeit, die wir zu früh sind, für einen Spaziergang. Da jede Ecke in Singapur so anders aussieht lohnt sich ein kleiner Walk eigentlich immer. Nach der musikalischen Baby-Quality Time mit dem obligatorischen Seifenblasenzauber, besuche ich mit Emil den Empress-Wet-Market und den Schlachter, der uns wärmstens empfohlen wurde.

Ich bewundere die Stände der Obst- und Gemüsehändler an denen ich zum Teil gerade einmal die Hälfte Sorten erkenne und decke uns mit neuem und altbekannten ein. Eine kleine Bäckerei verführt mich mit dem Duft nach frisch Gebackenem zum Kauf eines Cranberry-Walnuss Brotes. Hinzu kommt ein 2,5 kg Wagyu Steak, für das wir definitiv jemanden zum Grillen in den kommenden Tagen einladen müssen.

Am Abend heißt es dann mal wieder Mädelsabend! Mit meiner Bekannten Jade und einigen ihrer Freundinnen bin ich zur Ladies night out verabredet. Seit Wochen fiebern wir darauf hin und planen. Schlussendlich fiel die Entscheidung auf eine gemeinsame Kochstunde und anschließende Drinks… Eventuell Tanzen, falls es sich ergibt.

So versuchen wir uns also im OUE Social Kitchen an der italienischen Küche und genießen diesen Abend nur unter Mädels sehr. Unsere Sechsergruppe erweist sich als absolut stimmig und sogar die hochschwangere Shang hält bis kurz vor Mitternacht durch. Keine von uns kann sonderlich gut kochen. Die Inhaberin kommt an ihre Grenzen unsere versalzenen und zum Teil nur schwer genießbaren Gerichte zu retten. Am Ende sind aber alle satt und happy. Die leckeren italienischen Snacks und der Wein haben dazu sicher einiges beigetragen. Die anschließenden Drinks führen uns -um Shang dezimiert- zur Circular Road, einer DER Barstraßen Singapurs.

So sitzen wir -mit unseren Food-to-go-Tüten unter dem Tisch- in der schwül-warmen Luft der Nacht umringt von lachenden Menschen und Clubmusik. Das Wasser perlt an den Gläsern unserer eiskalten Getränke herunter, da das Thermometer trotz der späten Stunde noch 31 Grad anzeigt.

Ich muss zugeben, dass ich das ein um andere Mal den Faden verliere, da sich die verschiedenen Dialekte von uns Mädels mit jeder Stunde und jedem Glas intensivieren. Meine neu erworbenen Englischkenntnisse schaffen es da nicht immer mitzuhalten. Trotz Dessen ist es eine absolut gelungene Ladies-night-out. Ich liebe diese Truppe schon jetzt und freue mich über den Teil der Unterhaltung, dem ich folgen kann.

Die liebe Louisa (Malayin mit einem lokalen Singapurer verheiratet) wird -da sie morgen zu einer Hochzeit eingeladen ist- aufgeklärt, dass es für lokale Hochzeiten gewisse Regeln gibt. Wir sind alle etwas schockiert, gibt es beispielsweise eine etwas sonderbare Regelung zur Höhe des Geldgeschenkes. Um den richtigen Betrag zu ermitteln sollte man eine Liste zu Rate ziehen, in der aufgeführt ist, welcher Betrag der Sitzplatz pro Gast – je nach Location und Tageszeit- kostet. Diesen Betrag muss man nehmen und mindestens mit 1,5 multiplizieren um die Mindestsumme für das Geldgeschenk pro Person (!) zu ermitteln. Schenkt man zu wenig, gilt dies als absoluter, gesellschaftlicher Faupax.

Das Geschenk soll hierbei nicht ein Geschenk von Herzen in der Wunschhöhe sein, sondern mindestens die Ausgaben des Hochzeitspaares +50% decken, sofern Du ein entfernter Arbeitskollege bist. Bist Du ein guter Freund oder gar ein Familienmitglied, wie Louisa und ihr Mann, muss es definitiv mehr sein. In Louisas Fall also: 240 S$ pro Platz x 150% = 360 S$. Das Ganze dann aber mal zwei, da ihr Mann ja ebenfalls eingeladen ist. 720S$ = 480€. Da sie mit dem Brautpaar verwandt sind, müssen sie aber nochmal einiges drauflegen… Bähm… Da wird einem kurz schlecht.

Man darf übrigens auf eine solche Einladung auch nur aus wichtigen Gründen absagen, um nicht in Verruf zu geraten. Zur Not sollte wenigstens einer des eingeladenen Paares hingehen. Ist z.B. die Frau hochschwanger muss der Mann trotzdem zur Hochzeit kommen. Wird man krank, wird das Geschenk weiterhin in voller Höhe erwartet.

Als ein Teil unserer Gruppe spät in der Nacht noch weiterziehen möchte, bewundere ich das Durchhaltevermögen und klinke mich für heute aus. Ich bin definitiv nicht zum Partytier geboren und sehne mich schon nach einer Dusche und meinen weichen Federn.

Good night, Sinpapore.

Dieses Wochenende ist ein „langes“ Wochenende, da unsere Helperin geburtstagsbedingt neben dem Sonntag auch den Samstag frei hat. Früh am Morgen bastle ich mit den Jungs eine Geburtstagskarte und fahre los um eine kleine Torte für sie abzuholen. Nach Rücksprache mit einigen anderen Arbeitgebern freuen sich die Helperinnen, wie erwartet, am meisten über Geldgeschenke. Kuchen und Karte müssen meiner Meinung trotzdem sein. Tatsächlich bricht sie dann aber beim Anblick der Torte in Tränen aus, da sie in ihren 7 Jahren in Singapur noch nie einen Geburtstagskuchen bekommen hat. Die Karte mit den Handabdrücken der Jungs helfen leider auch nicht den Tränenfluss zu stoppen.

Als sie dann in der Küche anfängt für das Geburtstagspicknick mit Freundinnen zu kochen, starten wir uns mit den Jungs zu unserem Familienausflug.

Und heute steht etwas an, auf das Felix sich schon seit langem freut: In Singapur öffnen die Feuerwehren jeden Samstag morgen ihre Türen für die Öffentlichkeit. Wir entscheiden uns für die Central Fire Station, deren Gebäude auch architektonisch interessant ist und ein kleines Museum beinhaltet. Felix bekommt direkt zu Beginn den heißersehnten roten Kinderhelm aufgesetzt, bewundert Löschvorführungen und die unterschiedlichsten Fahrzeuge. Inkl. probesitzen und anfassen des Eqiupments. Kinderhimmel pur.

Im Anschluss schlendern wir den Fluss entlang zum Stadtteil River Valley und pausieren dank Spieleecke entspannt für einige Stunden im Café Botany. Auf dem Rückweg laufen wir durch unser „altes Hood“ mit der Übergangswohnung, in der wir unseren ersten Singapur-Monat verbracht haben und besuchen unseren alten Spielplatz am Fort Canning Park. Dank „Wasserhahn“ duschen die sandigen und verschiwtzen Kinder kurzerhand, bevor wir weiterziehen und uns bei L´Éclair mit Leckereien eindecken, die wir definitiv erst essen werden, wenn die Kids im Bett sind. Das kleine Tütchen für die beiden war nämlich mal wieder schneller leer als ich Éclair sagen kann.

Am Sonntagmittag kommen unseren Nachbarn Charlotte und Giullaume mit ihrem Sohn und Emils bestem Freund, Edouard zu Besuch. Wir halten es urban, grillen Steak, Gambas und Jacobsmuscheln und bereiten lediglich einen einfachen Salat dazu vor. Unseren selbstgemachten Quark hat unsere Helperin netterweise schon gestern zu Tzatiki weiterverarbeitet.

Die Babys spielen und wir genießen eine entspannte Zeit beim Lunch und dem ausnahmsweise schon tagsüber geöffneten Wein. Wie für viele, die wir hier kennen lernen ist Singapur auch für Charlotte und Guillaume nicht der erste „Step“. Vor ihren bisher 1,5 Jahren hier waren sie für einige Jahre in Afrika. Eine absolut andere, aber genauso interessante Welt. Wann und ob es für sie nach diesem Abenteuer zurück nach Frankreich geht, lassen sie -wie wir- offen. An ein Ende mag und muss bisher keiner von uns denken. Und wenn in ein paar Jahren eine andere Destination winkt? Warum nicht!


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