Baba-Nyonga

Da im Moment alle freien Spielgruppen schön leer sind und alles mehrmals am Tag intensiv desinfiziert wird, traue ich mich insbesondere früh am Morgen weiter mit Emil raus.

Heute verabrede ich mich also halbwegs spontan mit Sam und ihrer Tochter Chloé, die ich letztens bei der Babykurs-Probestunde in unserem Stadtteil kennen lernen durfte. Sam ist Australierin mit indischen Wurzeln und -wie wir- erst kürzlich nach Singapur gezogen. Das habe ich nicht so oft, da die Meisten, mit denen ich spreche bereits 3 Jahre und länger hier leben. Entsprechend freue ich mich, dass es so kurzfristig klappt und habe uns, damit es in Sachen Babybespaßung nicht zu eintönig wird, für heute etwas Neues herausgesucht.

Da die Auswahl für kleine Babys im Sensory Alter nicht so groß ist, bin ich sehr froh das Buds entdeckt zu haben, in dem die Mamas zwischen 9 und 12 Uhr sogar mit einem kostenfreien Heißgetränk verwöhnt werden.

Neben dem Kleinkindbereich gibt es einen Muddy-/ einen Matschraum, in dem die Wände mit Schwarzlichtfarbe bemalt werden dürfen, einen Bastelbereich, ein Musikzimmer und eine Fläche für die größeren Kids in Felix´ Alter. Und das Schöne: Ich kann zu Fuß hingehen und Emil sich somit vor dem Spielspaß noch mal etwas im Kinderwagen ausruhen.

Den richtigen Eingang finde ich erst nicht, da sich das Buds im Shangri-La Hotel befindet. So lande ich also im Westflügel des unfassbar großen Hotelkomplex‘, werde sehr nett von einem Mitarbeiter durch die gesamte Anlage samt Garten geführt und lasse mich von seinen Erzählungen berieseln.

Kurz nach mir trifft auch Sam ein, die Dank des Taxifahrers keine Irrwege laufen musste und wir bezahlen den zu dieser Uhrzeit wenigstens auf 28 S$ reduzierten Preis. In Singapur leider normal und häufig ist sogar nur eine erwachsene Begleitperson inbegriffen. Also besser genau nachfragen, wenn Ihr als Paar mit Kind los wollt. Dafür ist der Mocca heiß und lecker, Chloé und Emil tollen selig durch den gepolsterten Babybereich, wir tanzen zusammen im Musikraum und essen im integrierten Bistro zu Mittag. Und obwohl Emil erst 10 Monate alt ist, isst er wie gewohnt eine dreiviertel Erwachsenenportion Pasta. Der wird langfristig noch ganz schön teuer…

Obwohl das Buds nur 25 Gehminuten von zu Hause entfernt liegt, entscheide ich mich für den Rückweg die umgerechnet 4 € in ein Taxi zu investieren. Emil ist nämlich müde. Saumüde. Und wenn ich es bis zu Hause schaffe ihn wachzuhalten, kann ich die Auszeit nutzen um ein bisschen zu relaxen. Im Taxi nonstop auf ihn einredend geht mein Plan also tatsächlich auf. Angekommen fallen seine kleinen Knopfaugen allerdings immer wieder zu, sodass ich heute einmal das Experiment wage und ihn anstatt in seinem Zimmerchen neben mir auf dem Bett schlafen lasse, wären ich in meinem Buch lese. Zweisamkeit… Nicht viel geht über das Geräusch des tiefen Atems eines Babys.

Den Nachmittag nutze ich um mich meinen Nähprojekten zu widmen… Nachdem ich vor unserem Umzug Häufchenbildung betrieben und entschieden habe, welche Stoffe weg kommen, welche eingelagert werden und welche mit auf den Container nach Singapur dürfen, fange ich endlich wieder mit dem Nähen an. Dass beide Jungs so langsam aus ihren Sachen herauswachsen erhöht den Reiz dazu umso mehr.

Und während unsere Perle meine eingekauften Cranberries, Nüsse und Maplesirup zu Müsliriegeln verarbeitet bereite ich den ersten Satz Romper und Shirts vor.

Da das Nähen von Kleidung für mich selber aber vorerst hintenan steht, muss ich am Dienstag nach dem Yoga erstmal los um ein paar Sommersachen zu besorgen. Irgendwie verbrauchte ich bei den Temperaturen doch täglich zwei Outfits.

Wer mich kennt, weiß aber, dass ich einkaufen gehen nicht wirklich mag. Wenn ich etwas brauche, bestelle ich es online, um unkompliziert vergleichen und es in Ruhe zu Hause anprobieren zu können. Stundenlanges durch Geschäfte Gerenne, An- und Ausgeziehe macht mich wahnsinnig. Insbesondere, wenn ich etwas Bestimmtes suche.

Leider ist der Onlineshoppingmarkt hier in Singapur aber nicht so gut entwickelt, wie ich es aus Deutschland gewohnt bin. Es gibt einfach zu viele Händler mit „Plastik“-Kleidung und nur wenige Geschäfte, denen das Wort Baumwolle überhaupt bekannt ist. Definitiv gibt es auch kein Zalando, das eine derartige Auswahl bietet. In den letzten Monaten habe ich also die Augen und Ohren offengehalten und jetzt eine kleine Auswahl an Geschäften zusammen, in denen man gut einkaufen kann. Meistens sind es kleine One-Women Unternehmen, die ich zudem gerne unterstütze.

Nach dem Sport geht es also zuerst in die schöne Cluny Court Mall zu Capsule by Juliette, der kleinen Boutique einer Pariserin, die ihr Sortiment selber entwirft und nähen lässt. Trotz Dessen sind die Preise noch human. Im Anschluss finde ich noch ein-zwei schöne Sachen in meiner geliebten Tanglin Mall, einem kleinen Einkaufszentrum mit unter anderem den schönen Geschäften White Ginger und Badger & Fox. Meinen Erfolg feiere ich mit einem kleinen Snack im gemütlichen Café des House of Anli. Vielleicht ist mir die letzten Jahre doch was entgangen und shoppen ist manchmal ganz schön.

Nach einigen Stunden Lego- und Poolspaßzeit mit den Jungs lasse ich den Abend mit einer ausgiebigen Sporteinheit im condoeigenen Gym ausklingen. So blicke ich vom Stepper aus auf den nächtlich so traumhaft beleuchteten Pool und die im lauen Wind schwingenden Palmen. Alleine dafür lohnt es sich zum Sport zu gehen.

Am Mittwoch heißt es wieder Culture Day! Mein heutiges Ziel liegt offen und doch versteckt inmitten DER Einkaufsmeile Singapurs. Viele Besucher übersehen auf ihrer Suche nach dem schönsten Kleid oder dem besten Schnäppchen die malerische kleine Straße, die zwischen Malls und Shops eingezwängt direkt von der Orchard Road (Höhe No. 180) abzweigt.

Herzlich willkommen am Emerald Hill

Der Emerald Hill bietet wohl mehr architektonische und kulturelle Historie Singapurs als viele andere Orte zusammen. Geschichte zum Anfassen und Erleben.

Auf den drei Straßen, die den Emerald Hill bilden, versammeln sich einige der schönsten und historischsten Shophouses der Stadt, die zur Erbauungszeit und danach von den reichsten der Peranakan bewohnt wurden.

Die Kultur der Peranakan, auch bekannt als Baba-Nyonya oder Straits-Chinesen (nach der Straße von Malakka) entstand durch die Verbindung früh emigrierter Chinesen, die lokale malaische Frauen heirateten, wobei die chinesische Kultur vorherrschend erhalten blieb. Heute werden sie häufig als die ersten Singapurer gesehen.

Die Gebäude auf dem Emerald Hill konnten größtenteils im ursprünglichen Zustand erhalten werden und erzählen Geschichten aus der Zeit des Aufschwunges dieser besonderen Stadt und ihrer Menschen.

Die detailreich verzierten Shophouses verschiedener Epochen sind neben den Black & white houses architektonisch die typischsten lokalen Bauten der Vielvölker-Metropole Singapur. Inmitten dieser hochmodernen Großstadt bietet die Siedlung am Emerald Hill eine Oase der Ruhe.

Gebaut als schmale aber sehr tiefe Reihenhäuser wurde das Erdgeschoss zu frühen Zeiten meist als Ladenfläche genutzt, während die Familien in den oberen Stockwerken wohnten. Die einem Löwenmaul, einem Knoten oder der Zahl 8 ähnelnden, fast winzigen Fenster in der Vorderfront einiger Häuser von 1900-1940 dienten dabei einem ausgeklügelten Belüftungssystem, um auch die schwer erreichbaren Ecken dieser schlauchartig tiefen Häuser mit Frischluft zu versorgen. In einer Kultur, in der Glückzahlen eine große Rolle spielen, ist diese Form der „8“ sehr bedeutend, steht sie doch für unendliches Glück.

Im Zentrum der Häuser befindet sich nicht selten ein offener Schacht, eine Art Atrium, das Licht und Frischluft ins Haus lässt. Den Häusern vorgelagert sind überdachte Veranden zu finden, die sogenannten five-foot ways, da sie der Vorschrift nach genau 5 Fuß tief sein sollen.

Seit 1989 stehen die farbenfrohen Bauten aus dem frühen 1900 auf der Emerald Hill Street, Hullet Street und Saunders Street unter Denkmalschutz. Viele wurden die Jahre über aufwendig und kostspielig restauriert. Nicht wenige haben Architekturpreise gewonnen.

Auch heute noch können sich nur die bestsituiertesten Familien ein Leben in diesen geschichtsträchtigen Traumhäusern am Emerald Hill leisten.

In vielen Stadtteilen konnten Shophäuser erhalten werden, die schönsten aber findest Du nebem dem Emerald Hill in Chinatown, Katong oder Tanjong Pagar.

Leider habe ich keine Zeit mehr die am Fuße des Emerald Hill und Gabelung der Orchard Road befindlichen Bars zu testen, da ich nachher von Martin zu einem Überraschungsabend entführt werde.

Als die Kinder im Bett sind und die Dunkelheit über Singapur hereinbricht, sitzen wir im Taxi mit für mich unbekanntem Ziel. Als unsere Fahrt dann vor der wundervoll beleuchteten Kathedrale des Chijmes endet, ist die Überraschung groß. Unfassbar schön leuchten die strahlend weißen Säulengänge mit den Kerzen der Restarurants um die Wette. An den puren Steinwänden eines halb unterirdisch liegenden Gartens am Ende des Kirchenschiffes dringen die Stimmen der Gäste herauf.

Gespannt, welches Restaurant Martin für uns ausgesucht hat, schlendern wir vorbei an den mit Lichterketten behängten Bäumen und den darunter liegenden, einladenden Sitzsäcken.

Hinter der kleinen hölzernden Doppeltür des Gyu-Kaku wartet schon der vorbereitete Tisch auf uns. In traditionell japanischer Kleidung heizt unser Kellner einen kleinen im Tisch eingelassenen Grill ein. Er versorgt uns den ganzen Abend über mit nicht enden wollender Auswahl des zartesten Steaks der Welt und japanischen Beilagen. Sake, japanischer Pflaumenwein und dieses fantastische Essen sättigen uns mehr als genug und das Restaurant bekommt direkt einen Platz unter unseren neuen lieblings Ausgehzielen.


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