Alles Neu macht der Mai

Diese dritte Maiwoche beginnt mit einem Highlight. Denn am Dienstag darf ich raus – zum Friseur – wie genial ist das denn bitte!

Nachdem meine Haare kurz vor unserem Umzug (also vor ganzen 7 Monaten) das letzte Mal mit einer Schere in Kontakt kamen, sind sie ungefähr 15 schnelle cm gewachsen.

Immer mal wieder habe ich herumgefragt, ob jemand einen guten und bezahlbaren Friseur für europäisches Haar kennt…. Immer wieder scheiterte es am „bezahlbar“. Und tatsächlich ist die Spezialisierung auf europäisches Haar wichtig, wie mir einige mit „ganz schlimmer Haar-Unfall-Historie“ erzählten. Und auch, wenn ich die Dramatik nicht so ganz nachvollziehen konnte, kann ich doch nachempfinden, dass eine orangefarbene Pumukelpracht am Ende nicht ganz so der Hit ist.

Als ich mich dann aber nach Monaten endlich für einen Friseur entschieden hatte—-tata, kamen Corona und der Lockdown dazwischen. Nun sind es also 7 Monate und meine Frisur kränkelt fies.

Ich durfte heute also raus. So richtig raus. Mit Kontakt zu Menschen…. Sogar richtig-echt-physisch, falls die Haare gelten. Und auch, wenn der Friseur am Ende trotz des immensen Betrags, um den er meine Kreditkarte erleichterte, ungefähr so fingerfertig war, wie ich an Felix´ Haaren, so war es doch schön.

Allein die Busfahrt dorthin war mein Highlight der Woche. Wir rauschten durch das wunderschöne, grüne Singapur… vorbei an wunderschönen Häusern, blühenden Büschen, vorbei am botanischen Garten. Das gleichmäßige Tuckern des Motors, das kurze Schwätzchen mit meiner Nachbarin, die dem Anschein nach tatsächlich eine der riesigen Maisonette-Penthouse Wohnungen bewohnt. Noch nie war eine Busfahrt so schön.

Und auch, wenn ich jetzt ziemlich kantige Treppenstufen in meinem Haar begrüßen darf, hat sich dieser Ausflug nicht nur wegen der Abwechslung gelohnt. Beim Friseur erzählte mir eine andere Kundin, dass sie hier wohl nur zum Waschen hingehe. Sie empfahl mir gleich ihren anderen Friseur für den nächsten Schnitt und Farbe. Ihrer Frisur nach zu urteilen hat der was drauf. Also: Check. Positives sehen, statt sich zu ärgern. Haare wachsen ja wieder.

Später in dieser Woche war es dann endlich so weit. Das Government äußert sich zum weiteren Verlauf unseres Lockdowns. Naja, das Wort Lockdown wird in Singapur zwar nicht in den Mund genommen, aber bei unserem Circuit Breaker, Extended CB oder nun dem Safe re-opening handelt es sich doch um nichts anderes als einen Lockdown, Lockdown, Lockdown.

Unsere Regierung hat nun also entschieden mit Ende unseres Lockd….äh, Circuit Breakers ein 3 Stufen System einzuführen, das uns zurück zu normal Null, oder wenigstens in dessen Nähe bringen soll. Starten soll das ganze mit Stufe 1, dem Safe Re-opening (…pssst, Lockdown!).

Will sagen:

Stufe 1 – Soft Re-Opening

Die Kids dürfen wieder zur Schule. Man darf zwei Besucher am Tag empfangen, aber -und das ist der Haken- nur Familienmitglieder. Für uns ändert sich also nichts, außer dass Felix wieder zur Schule darf. Ok, das ist schon ein großer Gewinn…. aber man könnte es auch einfach weiterhin Lockdown nennen, alles andere generiert irgendwie falsche Erwartungen.

Stufe 2 – Safe Transition – Der Übergang

Diese Phase wünschen wir uns sehnlichst herbei. Sollten die Fallzahlen weiter so vorzeigbar bleiben, soll es „vor Ende Juni“ so weit sein: Wiedereröffnungen, Sozialkontakte – alles natürlich mit social Distance und Maske. Aber immerhin. MENSCHEN – Jeyyyy!

Stufe 3 – Safe Nation

Bis diese Phase möglich ist, werden sicherlich Monate vergehen. Ebenso bis uns das Reisen wieder erlaubt ist. Aber vorerst würde uns auch Phase 2 ausreichen. Ein ausgehungerter Hund freut sich ja auch über einen Knochen.

Nun also aber erstmal Phase 1. Und während einige Schulkinder bereits am 02. Juni wieder in ihren Klassenzimmern sitzen dürfen, muss Felix sich noch etwas gedulden und darf dann am 08. Juni seinen Mini-Rucksack packen. Mit Kindermasken sind wir dank Condo Sammelbestellung ausreichend versorgt und somit startklar.

Zu wissen, woran wir sind und wie es weitergeht, ist erleichternd. Und auch, wenn sich nicht viel ändert, haben wir eine Vision, wie die nächsten Wochen oder gar der nächste Monat aussehen wird.

Leider heißt das aber auch, dass Felix, wie so viele Kinder, und als dritter der Familie seinen Geburtstag in diesem Jahr ohne Freunde feiern muss. Dass er und Emil das Ganze mit 3 und 1 Jahr noch nicht so wahrnehmen und für Kids in diesem Alter alles ok und normal ist, was die Eltern vorleben, macht die Situation für alle etwas leichter.

Der Kuchen muss also nicht so groß sein, und obwohl Felix an einem Montag Geburtstag hat, an dem die meisten Bäckereien in Singapur standardmäßig geschlossen sind, finden wir tief in der Nacht ein schönes Exemplar. Hoffentlich wird dieser im Gegensatz zu Emils vor einem Monat schmecken…. Dass ich mich in diesem Jahr bis auf die Bestellung nicht weiter um den Kuchen kümmern muss, ist nach dem Aufwand der letzten Jahre mal ganz schön. Zumal ich nicht so recht weiß, wie ich die Tortencreme und die Fondant-Tiere während ihrer Erschaffung bei Laune halten soll, während 86% Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um die 34 Grad uns umschwirren… Nachdem uns schon die Butter aus den Weihnachtsplätzchen geflossen ist, bin ich etwas vorsichtiger geworden. Ganz zu schweigen von dem Osterdebakel mit dem geschmolzenen Hasen…

Mit dem Kindergarten bespreche ich, dass sie Felix`Geburtstag nicht direkt am ersten Kitatag, dem 08. Juni feiern, sondern erst einen Tag später. Die Goodies für die Kids, die hier obligatorisch von jedem Geburtstagskind an alle (!) Kinder seiner Gruppe ausgeteilt werden, habe ich zum Glück schon entdeckt und bestellt.

Und wie wir bereits von Emils Geburtstag im April wissen, geht im Moment Covid-bedingt keine Post von Deutschland nach Singapur. Schnell bestellen also die Paten und Tante bei lokalen, Singapurer Unternehmen Geschenke, die dann pünktlich ankommen sollten.

Ein Schönes hat dieses Fest jedoch. Auch für Felix werden die Nachbarn des Condos von ihren Balkonen singen. Immer wieder ist das sein Highlight und täglich fragt er, wen wir denn heute besingen. Das ist eine der schöneren Erinnerungen an diese spezielle Zeit.

Und wo wir gerade bei Highlights sind. Zum Ende der Woche haben Martin und ich uns im strömenden Regen auf den Weg zu unserem Hawker gemacht. Nach zwei Monaten das erste Mal. Hand in Hand und unter unseren Schirmen kaum Schutz findend schlendern wir durch die Pfützen in Richtung Newton Circus.

Der altbekannte Hawker ist fast menschenleer, und die Besitzer der wenigen Stände die geöffnet haben wirken sichtlich niedergeschlagen. So freut sich also unser Dumpling Mann über die Großbestellung. Damit es aber nicht bei Dumplings bleibt, testen wir heute einmal das typisch Singapurisch-malayische Hor Fun von Stall Nr. 11, Hai Yan BBQ Seafood. Dieser Stand ist normalerweise immer brechend voll mit Singapurern und auch heute ist er der einzige, der aus dem Arbeiten nicht herauskommt. Die Grab Fahrer, die das Essen ausliefern sollen, stehen Schlange und die Tüten häufen sich. Zum Glück schiebt er unser unkompliziertes Hor Fun dazwischen, sodass wir schnell noch eine Ladung Satay und unsere Dumplings einsammeln können und schon kurz darauf auf dem Weg nach Hause sind. Und: OMG ist das lecker. Auch das für uns neue Gericht, einer Suppe aus Gewürzen, flachen Nudeln, Meeresfrüchten und selbstverständlich Ei. Nichts geht in Singapur ohne Ei. Ein Hautgericht ist kein Hauptgericht, wenn nicht mindestens ein gekochtes Ei darin herumschwimmt. Versteht einer die Singapurer. Auf jeden Fall werde ich das Hawker Essen mein Leben lang in mein Herz schließen und definitiv niemals diese einzigartige Sammlung an kulinarischen Köstlichkeiten vergessen.

Essen, Essen, Essen eine DER großen Leidenschaften eines jeden Singapurers, in die ich gerne mit einsteige.


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