Juni – Aufschwung – Step 1 zurück zur Normalität

Am kommenden Montag hat Felix nicht nur Geburtstag, nein er darf auch wieder in den Kindergarten. Und um die Kinder auf den Neustart unter etwas ungewöhnlichen Bedingungen vorzubereiten, findet das Homeschooling diese Woche unter dem Motto Safe Distancing statt.

So folgen nun also auch wir mit Felix dem Unterricht. Die Kleinen sitzen gespannt vor dem Monitor, probieren ihren Kuscheltieren Masken an und singen Lieder zum Händewaschen und Abstand halten. Hüte mit Visier und Masken werden kostenfrei von der Schule zur Verfügung gestellt.

Und während Felix seine viertelstündige Schuleinheit verarbeitet und sich den Hausaufgaben, heute dem Buchstaben M widmet, wird unser Pool ausgepumpt. Nachdem die Handwerker nun wieder arbeiten dürfen, werden nämlich endlich die defekten Rollen unseres Pool-Tores ausgetauscht, dass sich zuletzt nicht mehr schließen ließ. Wir freuen uns schon auf wieder auf etwas mehr Privatsphäre.

Stunde um Stunde fließt das Wasser ab, Stunde um Stunde wird repariert und gewerkelt. Martin versucht zu arbeiten, ich zu sporteln und Felix sein M zu bekleben. Am Ende sind wir alle genervt und mehr als froh die Handwerker wieder los zu sein, die erst nach siebenmaliger Aufforderung verstanden haben, dass“ Pool leeren“ auch „leeren“ bedeutet. Nicht ein bisschen leer, nicht halbleer, nein, leer!

Um die Laune etwas anzuheben, nehmen wir uns am Nachmittag alle eine Auszeit und freuen uns über die einmalige Gelegenheit, in einem leeren Pool zu toben. Insgesamt braucht der Pool dann tatsächlich ganze 24 Stunden, bis er wieder voll ist. Das hat man davon, wenn man einen „Mini Gartenschlauch“ kauft. Auf die Wasserrechnung -er musste tatsächlich mit Leitungswasser befüllt werden- sind wir jetzt schon mehr als gespannt.

Als Felix am Donnerstag in die dritte Heimschooling Einheit startet, starte ich in Richtung Friseur. Denn heute steht der Kampf Blond gegen Braun an. Der Ansatz muss weg, neue Strähnen ins Haar. Denn auch das ist mittlerweile 7 Monate her. Der empfohlene Friseur – ich berichtete- ist einfach großartig und leistet volle Arbeit. Vier (!) Stunden der Entspannung und Unterhaltung. Mein Friseur ist nett und alle Mitarbeiter und Kunden schweben auf Wolke 7, dürfen sie sich doch mit echten Menschen und live unterhalten.

Beflügelt und frisch erblondet schwebe ich also nach diesem wundervollen Aufenthalt hinaus auf die Orchardroad und entschließe mich kurzerhand, die 1,3 km vom Zentrum der Stadt nach Hause zu laufen. Unterwegs bewaffne ich mich mit dem wohl leckersten Pitabrot ever und laufe selig grinsend und kauend ‚gen Newton. Ich blicke in strahlende Gesichter und weiß, dass ich nicht alleine bin mit meiner Freude über die kleinen Dinge. (Die Rechnung des Friseurs war selbstverständlich alles andere als klein 😉

Und wieder mal freue ich mich über die gute Wahl des Stadtteils. Zu Fuß nach Hause. Aus dem Stadtzentrum. Wahnsinn.

Die Woche endet mit unserem Wanderausflug und einem alles in allem ruhigen Wochenende.

Und dann ist auch schon der Montag der Montage gekommen. Ab in die Schule! Früh am Morgen bringe ich Felix also in die Kita. Die Trennung geht wider Erwarten problemlos. Nach 2 Monaten ohne andere Kinder und Fremdbetreuung habe ich wirklich anderes erwartet. Zu Hause angekommen machen wir uns rasch ans Schmücken, stellen die Geschenke auf und nehmen die Ballon- und Kuchenlieferung entgegen. Bin ich froh, dass wir es uns diesmal einfach gemacht und alles einfach fertig bestellt haben.

Als wir Felix am Nachmittag abholen und noch im Flur umziehen, erspickt er schon die Luftballons und kommt aus dem Kichern nicht mehr heraus. Und so traurig ein Geburtstag ohne Gäste auch klingt, ist es auch diesmal absolut nicht. Gut, er wird erst 3, hat ewig keine Kinder gesehen und denkt wohl es sei normal, da auch Emil alleine mit der Familie gefeiert hat.

Wir packen Geschenke aus, veranstalten eine Wasserbombenschlacht, fahren den neuen Scooter ein und essen die Geburtstagstorte mit Surfmotiv. Und die ist unfassbar gut gelungen: wir selber sitzen in Form von Fondantfiguren neben kleinen Surfbrettern, zwischen Wellen und Strand. Sehr genial. Dazu überzeugt die Torte diesmal sogar geschmacklich. Das Kind ist happy, und Kuchen und Süßigkeiten schnell dem Ende nah.

Und während Emil später am Tag sein Mittagschläfchen hält sehen wir uns viele, viele Videobotschaften von Felix‘ Freunden aus aller Welt an, die alle fleißig in der Padlet App hochgeladen haben… Von eingesungenen Liedern, Videogrüßen, bis hin zu Handpuppentheater ist alles dabei. So fern und doch so nah.

Am Abend sind nicht nur die Jungs, sondern auch Martin und ich komplett durch und fallen beide vor neun ins Bett.

Als ich Felix am Dienstagmorgen nun doch kullertränig in der Kita abliefere, merke ich, dass sich nun doch die meisten Kinder, so auch er, schwer tun. Aber gut, das ist verständlich und normal. Der Neustart der Kita kommt nach der langen Zeit einer Eingewöhnung gleich. Die Erzieher sind darauf vorbereitet und wie immer einfach nur wundervoll.

Nach einigem Trennungsschmerz spaziere also ich noch ein Weilchen mit Emil um den Block, bevor ich mich auf den Weg in Richtung Holland Village mache. Ich möchte heute zu Phoon Huat, dem Geschäft für Backbedarf überhaupt. So früh gibt es noch keine Schlange und nach kurzem online Check-In und Temperaturkontrolle darf ich auch schon rein. Generell muss man im Moment in jedem Geschäft und jeder Mall per QR-Code oder dem Barcode auf dem Pass ein- und auschecken. War ein Corona-Kandidat dort, können nach kurzer Zeit eventuelle Kontakte nachvollzogen und Maßnahmen ergriffen werden.

Nun aber ab ans Shoppen. Da die letzten Wochen Mehl doch etwas schwer zu bekommen war, wundere ich mich nicht, dass sogar hier der Bestand abgegrast ist. Dafür bekommt man hier aber ansonsten wirklich alles. Ich decke mich also mit Körnern und Nüssen für Brot ein, finde sogar TK Rhababer (wow) und schöne Beachfeeling Keksausstecher für Felix. Vollbepackt rufe ich mir dann wie so oft entspannt und günstig per App ein Grab, das hiesige Uber. Für umgerechnet nur 4€ bin ich 15 Minuten später auch schon zu Hause und erfreue mich dem Duft von köchelndem Rhababer auf dem Herd. Dazu ein frischer Vanillejoghurt mit meinen selbstimportierten Vanilleschoten. Die kosten hier nämlich umgerechnet 16€ für zwei Stück….

Als ich gegen Mittag zurück bin, hat Martin dann etwas Zeit und wir wiederholen meinen Spaziergang von Montag. Ganz crazy fahren wir mit dem Taxi in die Stadt, bewaffnen uns dort mit einer Pita und spazieren entspannt nach Hause. Was man nicht alles für ein bisschen frischen Wind und Abwechslung tut.

Den Rest der Woche erfreuen wir uns an der neu gewonnenen Freiheit und Ruhe zu Hause. Ein Kind weniger macht doch schon einiges aus. Und anstatt sich zu langweilen, scheint Emil ganz froh, uns und seine Auntie endlich mal für sich zu haben. Ich kann mich endlich mal wieder ans Klavier setzen und Martin in Ruhe arbeiten.

Die Nachmittage genießt Felix im Pool und wir freuen uns, einfach mit einem Kaffee daneben sitzen zu können und ihm zuzusehen, da er mittlerweile ein wirklich guter Schwimmer ist. Würde was passieren, müssten wir uns ja nur vom Rand zu ihm ins Wasser werfen.

Am Ende der Woche bringt Felix´ Lieblings Sicherheitsmann, Shri, ihm einen nachträglichen Geburtstagskuchen und freut sich über die strahlenden Kinderaugen. Eine schöne erste Woche halbwegs „back to normal“.


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