Wahlwochenende

Überall in der Stadt wehen die rot-weißen Flaggen. Wahltag ist hier ein Grund zum Feiern und überall heißt es:

„Majula Singapora“ – „Vorwärts Singapur“

Die Wahlen werden zelebriert, sie werden bejubelt und die Wahlbeteiligung liegt schon Stunden vor dem Ende bei für Europa unglaublichen 96%.

Dies liegt nicht an der Wahlpflicht, die zwar niedergelegt ist, deren Verstöße aber allbekannt nicht geahndet werden. Nein, die Singapurer sind stolz wählen zu dürfen und empfinden dies als ihre Pflicht. Dass die Wahltische gefühlt an jeder Ecke zu finden sind, spielt dem noch zu.

Und so ist es nun so weit: Singapur hat gewählt.

Ministerpräsident Lee Hsien Loong bleibt auch weiterhin an der Macht. Mit ihm die PAP „People’s Action Party“, die nun seit der Gründung Singapurs im Jahr 1965 unangefochten regiert. Alle 13 Parlamentswahlen gingen auf das Konto dieser Partei, die Singapur zu seinem heutigen Glanz geführt hat.

Und auch mit dem aktuellen Parteiprogramm wird den Bürgern aus der Seele gesprochen: Singapore United – Zusammenhalt, unabhängig von Herkunft oder Religion, Zukunft, Wohlstand und Arbeit, Wachstum und Größe.

Dieser Sieg kam also nicht überraschend.

Trotz Dessen fiel der Wählerstimmenanteil von 70 auf 61 Prozent ab. Doch trotz diesem für die PAP unfassbaren Verlustes von 9 Prozentpunkten, sind die Singapurer zufrieden. Sie sind abgesichert, es herrscht kaum Kriminalität. Die Menschen sind zufrieden.

Sich der autoritären Regierung zu fügen sehen die Menschen hier nicht als etwas Negatives. Wie Kinder hören die Bürger auf ihren „Vater Staat“. Er hat den Gesamtüberblick, er weiß, was gut für die Gemeinschaft ist. Und Gemeinschaft und Familie nehmen hier den größten Stellenwert ein.

Lee Kuan Yew, der Gründervater Singapurs und Vater des aktuellen Ministerpräsidenten war 31 Jahre an der Macht und wird bis heute bis ins Tiefste verehrt. Er sorgte bei Staatsgründung dafür, dass auch den sozial Schwachen der Kauf von Eigentumswohnungen möglich ist und begleitete Singapur beim Aufstieg zu einer der Weltwirtschaftsmetropolen.

Doch wo die Alten auf dem Altbewährten bestehen bleiben, wünschen sich viele junge Singapurer einen Umschwung. Zu materiell, zu wenig Demokratie. Und so sehen sie den Verlust der PAP von 9 Prozentpunkten gemeinsam mit dem diesjährigen Konkurrenten, Pritam Singh, als ihren Gewinn. Die Arbeiterpartei erhielt zehn Sitze im Parlament, mehr als jemals zuvor seit der Unabhängigkeit des Stadtstaates.

Ob die nächste Wahl in 5 Jahren Überraschungen bringen wird, bleibt abzuwarten. Möglich wäre es.

Alles in allem, so alle lokalen Freunde und Bekannten mit denen ich spreche, sind sie zufrieden. Ob die Herkunft des Konkurrenten ihm seinen Sieg nicht ermöglicht wird immer wieder in den Raum gestellt. Singapur ist offen, aber möglicherweise nicht offen genug.

***

Während meine lokalen Bekannten den Ausgang dieses Wahltages gemeinsam mit Freunden vor ihren Fernsehern verfolgen, wie die Deutschen die Fußball WM, bedeutet für alle Menschen, die nicht Singapurer oder Inhaber eines PR (Permanent Resident) Passes sind vor allem eins: Langes Wochenende. Wahltag ist nämlich ein gesetzlicher Feiertag.

So zelebrieren wir den Start dieses langen Wochenendes am Freitagmorgen mit Freunden am Strand. Wir genießen das Salz auf der Haut, essen trinken, baden und sinnieren. Den Tag lassen wir dann gemütlich in der Trapizza ausklingen, die ebenfalls direkt am Strand liegt und über schöne Bereiche für Kinder verfügt und uns somit ein entspanntes Abendessen beschert. Neue Freunde inklusive. Kinder verbinden.

Am Samstag schlafen wir aus, schlendern das erste Mal als Familie durch die wundervolle Future World Ausstellung im ArtScience Museum. Und obwohl einige der interaktiven Installationen zum Schutz vor Covid geschlossen sind, genießen wir die Zeit sehr. Die Kinder lassen sich dann nicht zweimal bitten ins Eiscafe zu folgen (Achtung: Das wirklich beste Eis in Singapur) und bewundern ausgiebig den Sicherheitsroboter des Marina Bay Sands Einkaufszentrums, das wir kreuzen müssen um zur Bahn zu kommen.

Zu Hause angekommen wartet dann endlich das schon vor 6 Wochen verschickte Paket aus Deutschland auf uns. Normalerweise brauchen Pakete nur wenig mehr als eine Woche um aus Deutschland nach Singapur zu gelangen. Da Dank Covid aber kaum Flieger gehen, sind wir froh es nun überhaupt erhalten zu haben. Enthalten sind unglaublich viele Geschenke für die Jungs, die wir erst einmal in Portionen aufteilen und Ihnen nun stückweise zum Auspacken überlassen. Trotz Dessen sind die Kids Feuer und Flamme und stürzen sich auf die Überraschungen wie junge Hunde.

Kaum sind die Kinder im Bett, machen Martin und ich uns auf um das allseits gelobte HotPot im besten Restaurant dafür, dem Haidilao, zu testen. Da diese Niederlassung die beste und größte Auswahl haben soll entscheiden wir uns für das Restaurant am Clarke Quay. HotPot hat auch die schönen Namen Feuertopf oder asiatisches Fondue und meint nicht mehr als einen im Tisch eingelassenen Suppentopf, in dem bis zu vier verschiedene Suppen Platz finden. Dazu werden Beilagen gereicht, die man vorher dem Geschmack entsprechend auswählen kann. Diese werden dann zum Teil für einen in die Suppen verteilt, oder man übernimmt dies selber.

Besonders beliebt sind dazu die „Hausnudeln“, die vom Koch selber am Tisch im Rahmen einer spektakulären Show herumgewirbelt und portioniert werden. Dank Covid ist dies aber erstmal eingestellt und wir müssen darauf verzichten. Nicht weiter wild. Wir kommen sicher noch einmal wieder. Denn obwohl uns das japanische BBQ besser als dieses Chinesische HotPot gefällt, ist das Ganze ein Erlebnis und sehr lecker. Wobei auch semi scharf zu scharf ist. Also Vorsicht.

Tipp: Neben Essen und Shoppen ist auch Warten eines der Hobbys der Singapurer. Daher heißt eine Haidilao Reservierung für 19 Uhr nicht, dass Du auch um 19 Uhr rein kommst. Alle reihen sich hier entspannt und brav in eine Schlange ein. Ist man dann ganz vorne angekommen, erhält man Einlass in den Warteraum. Dort kann man Filme schauen, gratis Eis und Snacks vertilgen und sich sogar eine gratis Mani- oder Pediküre gönnen. Aber auch dafür muss man eine Wartenummer ziehen und hoffen, dass man an der Reihe ist, bevor der freie Tisch ruft. Alles natürlich ganz normal. Also bloß keine Aufregung.

Im Anschluss versacken wir in der schönen Club Street auf dem Dach der „The other Roof“ Bar und freuen uns über recht kleine, dafür aber absolut einzigartige Drinks. Unfassbar lecker und intensiv braucht man für einen Drink eine Ewigkeit, was den hohen Preis dann wieder rechtfertigt. Dazu das gemütlich-kleine Ambiente und die netten Kellner. Perfekt.

Am Sonntag starten wir direkt nach dem letzten Tropfen eines heftigen Tropenregens los in Richtung Innenstadt und Marina Bay. Wir freuen uns über das Aufklaren des Himmels und lassen die Drachen steigen. Das ganze war ein absolutes Erlebnis und einen eigenen Bericht wert, den Du hier finden kannst.


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