Wochenende in Bildern – Singapur – 17. – 19. Juli 2020 – Das neue Normal

Wir sind Urlaubsreif. Das merken wir mit jedem Tag und jedem Wochenende mehr. Und auch, wenn wir froh sein können in so herrlich subtropischen Gefilden wie Singapur zu leben, so haben wir doch Fernweh.

Gleichzeitig aber brauchen wir den gerade wieder einkehrenden Alltag eigentlich, um ein wenig zur Ruhe und anzukommen.

Ankommen. Ankommen ist in Singapur nicht schwer, Kontakte knüpfen einfach. Es gibt viel zu entdecken und das Leben ist hier wohl so einfach wie sonst nirgends auf der Welt. Insbesondere als Familie. Wie in unserer Heimatstadt Hamburg gibt es immer etwas zu entdecken und wir fühlen uns zu Hause.

Trotz Dessen hat uns der Lockdown zurückgeworfen. Viele unserer neuen Freunde mussten überstürzt das Land verlassen. Vielen Expats wurden die Verträge gekündigt oder nicht verlängert. Abreise und Tränen, unerfüllte Träume und Fassungslosigkeit.

Die Glücklichen, die auch weiterhin im little red Dot – wie Singapur liebevoll genannt wird – leben dürfen, müssen sich in einen neuen Alltag einfinden. Die Frauen und Männer, ja, es gibt auch Expat-Ehen, in denen der Mann zu Hause ist, arbeiten zum Großteil weiterhin von zu Hause. Kurse sind weiterhin stillgelegt oder laufen nur langsam und in absolut verändertem Rahmen an.

Der Bedarf an Flexibilität und die Suche nach dem „neuen Normal“ sind allgegenwärtig.

Trotz Dessen und trotz all der Einschränkungen (Urlaubsreisen sind weiterhin nicht möglich) möchte ich im Moment nirgendwo anders auf der Welt leben. Verreisen…ja!….für einen Urlaub. Aber leben? Da steht Singapur unangefochten an/auf Platz eins.

Auch oder gerade weil hier alles so langsam anläuft, fühle ich mich sicher, wenn ich das Haus verlasse. Ich fühle mich sicher in der Bahn, auf dem Hawker, im Zoo oder beim Dinner auswärts mit Freunden. Ich hoffe aber auch, dass uns diese Sicherheit in den nächsten Monaten das Reisen wieder ermöglichen wird. Wohin? Egal… Hauptsache Urlaub! Denn der letzte ist heute genau 1 Jahr her…

Nun ist aber erstmal Wochenende….unser Wochenende in Bildern:

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Am Freitagmorgen, ja dieser Freitag zählt mal wieder mit in unser Wochenende, treffe ich meine Freundin Luisa und die liebe Daria auf einen Kaffee. Entspannte Mädelszeit, Kaffee, chitchatten, wie man hier sagt und ein kleiner Bummel. Ich glaube, diese ganz banalen Treffen mit Freundinnen haben mir im Lockdown am Meisten gefehlt.

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Da Martin und ich zudem unser 10-Jähriges (bald 5 davon verheiratet) zu feiern haben, starten wir dann am Abend mit ein wenig Zweisamkeit in das Wochenende:

Zuallererst: eine ausgiebige Fußmassage versteckt im Obergeschoss eines der alten Shophouses bei Sebastian Lim im schönen Chinatown.

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Zu Fuß – Singapur ist klein – wandern wir zu unserem nächsten Ziel und werden, dort angekommen, mal wieder mit einer uns neuen Passage überrascht. Das China Place – Far East Square.

Alte Shophouses reihen sich aneinander, der gepflasterte Weg dazwischen ist ähnlich anderen Passagen Singapurs durch ein Glasdach geschützt. An einer Seite sind ruhigere Restaurants zu finden, am anderen Ende Pubs. Das Ganze erstreckt sich über eine ansehnliche Größe und wir müssen unbedingt mal für ein Feierabendbier vorbeikommen.

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Unser Ziel, die Koji Sushi Bar, ein typisch japanisches Restaurant liegt mittendrin.

Aus einem winzigen Raum bestehend, reihen sich die Stühle wie an einem Bartresen um die Köche, die liebevoll jedes einzelne Stück Sushi zubereiten und dekorieren. Martin konnte das Ganze ja schön öfter in Tokio selber genießen. Für mich ist es der erste Besuch dieser authentisch japanischen Art. Und ich habe tatsächlich noch nie so gutes Sushi gegessen. Unfassbar lecker probieren wir uns durch die Karte und sind am Ende mehr als satt.

Zudem lernen wir, dass man Sushi eigentlich mit den Händen ist, dass Ingwer als Geschmacksneutralisierer dient und nicht auf das Sushi gehört und man niemals, wirklich niemals das Wasabi in die Sojasauce rühren darf. Bei späterer Recherche (hier oder auch hier nachzulesen) ernte ich nur Bestätigung. Man lernt nie aus.

Nur die ganz typischen Noren (暖簾), die weißen Tücher, die normalerweise im Eingang japanischer Restaurants hängen, fehlen hier leider. Traditionell sind sie dafür da um Staub, Sonne und Krähen fernzuhalten, aber auch, damit sich der Gast beim Betreten dem Restaurant gegenüber respektvoll verbeugt.

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Im Anschluss fahren wir zur Atlas Bar, eine der bekanntesten Bars Singapurs. In einem Saal typischen Jugendstils finden wir klassische Art Deco Elemente kombiniert mit moderner Lounge Musik. Ein mehr als genialer Stilbruch. Die Regale hinter dem Bartresen erheben sich gut gefüllt auf ca. 10 m Höhe und schon beim Betreten sind wir mehr als beeindruckt.

Als wir dann nach DER Ginkarte fragen, wird uns ein mehr als dickes Buch überreicht. Generell bekommt man hier die normalen Getränke und Speisekarten. Aber und das ist der Clou: Die Atlas Bar bietet nach eigenen Angaben über 1.400 verschiedene Gin Sorten an. Nach der Karte für diese muss man dann aber gezielt fragen.

Achtung: Lange Hose und geschlossene Schuhe sind für den Mann Pflicht, sonst kommt man nicht rein.

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Am Samstag müssen wir dann spontan umplanen, da unser Date kurzfristig absagen musste. Wir nutzen die Chance und suchen uns eine Sehenswürdigkeit aus meiner Liste aus, die immer mal wieder um neue Aktivitäten anwächst.

So machen wir uns auf in Richtung Ang Mo Kio. Dieser Stadtteil lockt nicht nur mit seinem Park, dem Ang Mo Kio Town Garden West, sondern vor Allem mit einem der letzten Vogelgesangsvereine Singapurs, dem Kebun Baru Birdsinging-Club.

Auf einem großen Gelände finden sich verschiedene überdachte Bereiche, aber auch eine große Wiese mit hunderten bis zu 6 Meter hohen Stäben. An jedem dieser Posten befinden sich Hängevorrichtungen an denen die aufwendig geschnitzten Vogelkäfige eingehakt werden können. Je nach Vorliebe der jeweiligen Gattung werden die Vögel einem Bereich zugeordnet.

Die Sperbertauben z.B. fühlen sich nur in luftiger Höhe wohl und singen daher aus 6 m Höhe auf die Zuhörer hinab, andere Arten werden in greifbarer Höhe in die Bäume oder unter eines der Dächer gehängt.

Während die Vögel also hoch motiviert singen und gurren, sitzen die alten Männer zusammen. Tatsächlich ist dies vorwiegend eine Männerdomäne. Und so sitzen diese auf ihren einfachen Stühlen zusammen, rauchen und trinken Kopi (lokaler Kaffee unterschiedlicher Zubereitung). Dabei bewundern sie ihre Vögel, die zum Teil bis zu vierstellige Summen gekostet haben können.

Doch auch wenn man noch nach der Mittagszeit einige begeisterte Fans und ihre Tiere vor Ort findet, so singen die Vögel früh am Morgen ab 6 Uhr am schönsten. Mit der aufsteigenden Hitze des Tages lässt die Motivation nach und es wird merklich stiller.

Highlight des Jahres sind sicherlich die Wettbewerbe, bei denen jeder hofft, den schönsten und wohlklingensten Vogel präsentieren zu können.

Nach einem Pläuschchen mit den mehr als freundlichen Herren gönnen wir uns ein Mittagessen im Hawker nebenan. Dass unsere Kinder schlicht und einfach alles essen, stimmt die Standinhaber freudig und sie erzählen mehr als stolz herum, dass sogar das Baby gerade ihre Gerichte isst (u.a. Stall No. 157 – so lecker).

Bevor wir in Richtung Park aufbrechen, bewundern wir noch kurz die kleinen Handwerksgeschäfte, in denen die Käfige entweder repariert werden können, oder man sogar individuell geschnitzte Exemplare und auch Tiere erwerben kann.

Bei der Erinnerung an die immerzu krächzenden Wellensittiche aus meiner Kindheit lenke ich die Jungs aber schnell um. Zum Glück kann man einem 3-Jährigen jede Ausrede auftischen. Diese Vögel sind nur zum gucken, nicht zum mitnehmen. Ganz sicher!

Wir spazieren durch den schönen und wie immer sehr sauberen Park, bewundern die Treppe, die sich von einem Ende bis zum höchsten Punkt des Parks erhebt und nehmen uns vor irgendwann wieder zu kommen, wenn auch der Pond, der Teich wieder eröffnet ist.

Damit auch die Kids auf Ihre Kosten kommen, legen wir noch eine Pause bei dem außergewöhnlich schönen Abenteuerspielplatz ein. Direkt werden wir von der netten Leng angesprochen, die hier ums Eck wohnt und deren Sohn sich über einen Spielpartner freut. Die Nummern werden getauscht und das nächste Playdate steht.

Dass dann die Busfahrt dank Expressbus nur 20 Minuten inkl. der Fußwege und einmal umsteigen dauert, ist ein Pluspunkt und wir alle genießen den Blick über die Schnellstraße von unseren bequemen Plätzen im Oberdeck.

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Sandig und verschwitzt freuen sich die Kids über das schon vorbereitete Abendessen. Unterdessen machen Martin und ich uns fertig, um uns heute ein Dinner in der Sentosa Cove, dem Wohnviertel der vorgelagerten Insel zu gönnen.

Wir starten mit Drinks in der Rock Bar und freuen uns im Anschluss über ein wenig Urlaubsfeeling im Mykonos on the Bay.

Die Sentosa Cove ist nett, der Blick auf die vielen Yachten schön. Dennoch wirkt das Ganze, wie vieles auf dieser Insel etwas künstlich und zu touristisch „klinisch“.

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Am Sonntag dann packen wir unsere Sachen und wundern uns, als wir schon nach 15 Minuten Taxifahrt beim Zoo ankommen. Irgendwie hatten wir die Strecke weiter in Erinnerung.

Vor Ort treffen wir auf unsere Freunde Sam und Sam(ir) (ja echt) mit ihren Kids und verbringen einen wundervollen Tag gemeinsam. Die größeren Kids sind untrennbar und freuen sich, als sie zum Essen an einem eigenen Tisch sitzen dürfen. Nur die Zwei… Ohne lästige Eltern oder Babys.

Wie viele Sehenswürdigkeiten hat auch der Zoo wieder geöffnet. Lässt allerdings nur 25% der normalen Besucherzahl ein. Um nicht umsonst vor den Toren zu stehen, kann man ein Zeitfenster zum Einlass online buchen.

Und eigentlich ist diese 25% Regel gar nicht so schlecht, da wir den Zoo nun so leer erleben dürfen, wie wohl niemals wieder.

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Den Abend verbringen Martin und ich das erste mal seit Wochen (Denguealarm) an unserem Pool. Gut präpariert kommen wir ohne Mückenstich davon und hoffen, dass sich die ganze Situation rund um die aktuelle Tropenfiebergefahr bald entspannt.

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Danke an Alu und Konsti von Große Köpfe für diese schöne Idee der „Wochenenden in Bildern“!

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Wenn Du wissen möchtest, wie andere Blogger ihr Wochenende verbracht haben, besuche die liebe Simone von Books and Babies oder Alex von Mama steht Kopf.


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